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AUDIO PHYSIC Musik-Tipps

Hier finden Sie interessante Software-Tipps.

Empfehlungen unserer Mitarbeiter, Fachhändler aber auch von Freunden unserer Lautsprecher. Klanglich beeindruckende Pretiosen ebenso, wie Hinweise auf Raritäten aus allen Stilrichtungen.
Die vorgeschlagenen Alben erhalten Sie beim Fachhändler oder Internetportal Ihrer Wahl.
Wir wünschen Ihnen viel Freude damit.

Zum Musik-Tipp des Monats

Haben auch Sie einen tollen Tipp, ein Lieblings-Album oder ein Highlight entdeckt? Machen Sie mit und schreiben Sie uns. Gerne veröffentlichen wir auch Ihre Empfehlung. Teilen Sie Ihren Tipp mit anderen Musikbegeisterten und Freunden von AUDIO PHYSIC. Das darf ein einfacher Hinweis auf das Album, das Konzert oder den Film sein, oder eine eigene kleine Rezension.

 


 12.09.2015

All is One - Allen Taylor Audio Physic-Freund K. Beckmann aus dem Münsterland empfiehlt das Album

„All is One“ von Allen Taylor

Auch als Hybrid-SACD erhältlich

Allan Taylor ist einer der bedeutendsten Singer-Songwriter unserer Zeit. Ein echter Profi – angesehen bei seinen Musikerkollegen und bei seinem treuen Publikum. Mehr als 40 Jahre unterwegs, hat er eine große Zahl eindrücklicher und bedeutender Songs geschrieben.

Allan Taylor, geboren 1945 im englischen Brighton, erarbeitete sich auch international in seiner langen Karriere einen exzellenten Ruf als feinsinniger Poet, der in seinen Liedern, vorgetragen mit warmer, sonorer Stimme und begleitet von seinem eindrucksvollen Gitarrenspiel, die Lebenswelten der unscheinbaren Helden des Alltags festhält.

 


 17.07.2015

Melissa Etheridge | This is M.E. | SPV

Melissa Etheridge | This is M.E. | SPV

Es gibt Stücke, die einem, einmal gehört, nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie brennen sich wohl an einer bestimmten Stelle des Neokortex ein. Ich rede dabei nicht von Tonfolgen, die man viel lieber wieder aus dem Kopf heraus hätte, wie sie beispielsweise die Werbeindustrie mit Vorliebe einsetzt. Ich denke an Melodien, wie die Serenade No. 13 Eine kleine Nachtmusik von Mozart oder Für Elise von Beethoven. So zart und sogleich so unvergänglich ist I won't be alone tonight von Melissa Etheridge gewiss nicht, dennoch ist es Musik, die nicht mehr loslässt.

Der Titel ist ein furioser Einstieg in das aktuelle Album der Oscar- und doppelten Grammy- Gewinnerin; eine Hymne voller Power und Emotion. Im zweiten Track Take my Number gibt sich die Rockröhre sanfter, erzählt die anrührende Geschichte eines Wiedersehens nach Jahrzehnten. Aber auch hier sind die Ingredienzien, die ein Stück, obwohl es so eingänglich tönt, um Lichtjahre von der Masse abheben. Das hat Klasse.

Die folgenden Stücke neigen zu deutlich mehr Schwärze. Ein wenig erinnern die Arrangements an das martialische Wesen eines ausgelasteten Stahlwerkes, Drums und Riffs an die Schläge auf einem Amboss. Schläge, die einen faszinierenden Pulsschlag vorgeben. Einen Höhepunkt findet diese Art Takt in Monster, hier wechselt der Amboss gefühlt in einen Stahlhammer, der rhythmisch auf vor Glut Funken sprühendes Metall einschlägt.

Ain't that bad reiht sich nahtlos ein, wobei die elektronisch verfremdete Stimme Etheridges dem Stück eine raue Note aufzwingt. Wie Güterzüge donnern die Riffs am Zuhörer vorüber. All the Way home senkt das Tempo, wahrt jedoch die erdrückende Kraft der Basslinien. Und doch setzt Melissa Etheridge immer wieder Pausen, schenkt Momente zum Verschnaufen.

Like a Preacher, Stranger Road und A little bit of Me schlagen den Bogen zu den beiden ersten Stücken. Geprägt von starker Rhythmik tritt die Melodik wieder einen Schritt nach vorn. Mit Who are You Waiting for setzt Etheridge dann ein gefühlvolles Ausrufezeichen; einen Kontrapunkt, der dem Werk einen krönenden Abschluss verleiht.

This is M.E. ist wie ein Stahlwerk in der Nacht. Feuer, Funken, Dampf, Glut, Schläge – der unaufhaltsam pulsierendeTakt zieht sich wie ein Roter Faden durch das Album. Lässt man sich darauf ein, erschließt sich das Werk nach und nach. Da ist eine Faszination in jedem einzelnen Stück, die sich stets weiter entwickelt. Rock vom Feinsten, ohne Weichspüler, intelligent und nachhaltig ... ki.

 


 01.06.2015

Fat Freddy's Drop | Based On A True Story | Rough Trade

Fat Freddy's Drop | Based On A True Story | Rough Trade

Unkonventionell, intelligent, vielschichtig, nicht zuzuordnen – schlicht abgefahren. Das ist die Musik der Neuseeländischen Combo Fat Freddy's Drop. Es ist nicht möglich die Truppe auf eine Stilrichtung zu fixieren. Da ist Soul drinne, und nicht zu knapp, Reggae, Funk, Techno, Elektro, Rock, Jazz, Rap; man muss es erleben – und wird es lieben. Das bemerkenswerte Potpourri der Stilrichtungen widerspricht sich keineswegs. So opulent Based On A True Story daherkommt, wirkt die Musik nie überladen oder undurchsichtig.

Im Gegenteil, dieses Album ist audiophil – und wie! Klanglich perlen die Tracks nur so, schwelgen in üppigen, aber konturierten Basslinien, leuchtenden Klangfarben, pfiffig schnittigen Bläsereinsätzen und werden durch den Lead-Sänger Joe Dukie mit seiner sahnig weichen Stimme, die fatal an Terent Trence D'arby erinnert, gekrönt.

Das Erstlingswerk Based On A True Story, das wieder als Neuauflage erhältlich ist, glänzt in allen Punkten. Die absolute Unberechenbarkeit der meist eher langsamen Songs fasziniert so ungemein, dass man sich zurücklehnt, staunt und nach wenigen Minuten im Zustand der Tiefenentspannung landet. Die saftigen Basswogen (Bass-ed On A True Story wäre nicht minder treffend) tragen ihren Anteil dazu bei und verleiten, den Lautstärkeknopf mal richtig nach rechts zu drehen. Schwerstarbeit für Tieftöner.

Chill-Out-Musik? Schon, doch auf welch unglaublich hohem künstlerischen Niveau! Egal welche Musik, welchen Interpreten oder welche Gruppe wir favorisieren, in gewisser Weise kommen diese uns stets „bekannt“ vor. Fat Freddy's Drop ist neu, ist anders, ist schlicht begeisternd. So begeisternd, dass Sie an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Alben des Septetts ins Auge fassen – um Ihre Ohren zu erfreuen.

Based On A True Story ist als CD und Doppel-LP erhältlich. Klanglich geht mit beiden die Sonne auf, doch legt die erstklassig gepresste LP in Sachen Farbfacetten und Bassvolumen noch ein Pfund drauf. Das Schönste: Die Truppe tourt im November 2015 durch Deutschland ... ki.

 


 10.05.2015

Cover fehlt

Billy Idol | Kings & Queens of the Underground | BFI Records

Als wäre es gestern – bereits die ersten Takte beamen den geneigten Zuhörer umgehend in die Achtziger, in den wilderen Bereich. Bitter Pill ist dabei nur der Auftakt in eine spannende Zeitreise. Unglaublich energiegeladen, positiv, zwingend, rockig und die Stimme von Billy Idol das Markenzeichen wie einst. Dabei ist Kings & Queens of the Underground kein Aufguss der millionenfach verkauften Idol-Hits. Gekonnt spannt der Künstler den Bogen, inhaltlich wie musikalisch, in das Hier und Jetzt, und nimmt sich dabei auch selbst nicht immer allzu ernst.

Nicht alle Titel sind Highlights, wie ehedem, es gibt Perlen und weniger inspirierte Stücke wie Can't break me down. Verlernt hat Idol jedoch nichts, noch immer kann er richtig röhren, wartet aber ebenso mit gefühlvoll sanften Tönen auf. Die Arrangements sind heute komplexer, reichen tiefer, als Beispiel sei One Breath away genannt.

In Postcards from the Past nimmt die Ikone derart an Fahrt auf, dass man schlicht die Augen schließt und den Gedanken freien Lauf lässt – wahres Achtziger-Feeling, nur ein wenig härter. Es folgt der Titelsong, eine runde, fein differenzierte Ballade, die in Gehalt und Gefühl von Ghosts in my Guitar noch einmal getoppt wird. Nothing to Fear schlägt andere Töne an, hier wandelt Idol eingebunden in ein dichtes Soundgeflecht auf einem dunkleren Klangboden. Love and Glory dagegen ist eine der Perlen des Albums, Emotion und Klanggefüge verschmelzen zu einer Hymne, bei der man Gefahr läuft, die Lautstärke in Regionen zu heben, die einer gesunden Nachbarschaft nicht zuträglich sind. Doch bevor man weiter in diesem Kosmos schwelgen kann, zerrt der gebürtige Londoner uns in Whiskey and Pills einem Formel 1 Wagen gleich auf den rauen Boden der Realität.

Trotz kleiner Schwächen zählt das Album zu den wenigen, die es lohnt, durchzuhören. Die zwölfjährige Pause zeigt einen kreativen Billy Idol, der dem Stil, mit dem er die größten Erfolge feierte, treu bleibt. Am Ende des Tages geht es um das Gefühl einer Ära, einer Zeit, die für so manchen von uns prägend war. In der Summe: Packender Gitarrenrock, trocken, prickelnd und klanglich mehr als vorzeigbar ... ki.

 


 06.04.2015

Zaz | Paris | Warner

Zaz | Paris | Warner

Sas spricht man ihren Künstlernamen aus, schon hier offenbart sich der feine Unterschied zwischen der deutschen und französischen Sprache – „Zaz“ kantig hier, „Sas“ geschmeidig elegant dort. Nicht minder weich und rund schlüpft die junge, französische Künstlerin mit ihrem Album Paris in den alemannischen Gehörgang. Weich ja, weichgespült, gar seicht: Nein!

Die Französin liefert mit ihrem dritten Album ein Reifezeugnis der besonderen Art und ihre ganz persönliche Liebeserklärung an die Metropole Paris. 13 Chansons vom Feinsten, klassisch inspiriert, mit typisch französischen Elementen wie beispielsweise Quetschkommode und Mundharmonika gekonnt garniert, zelebriert Zaz das Lebensgefühl dieser pulsierenden Stadt. Das ist mutig, denn Zaz interpretiert die Klassiker nicht neu; und sogleich könnte gerade der Franzose das als Majestätsbeleidigung betrachten. Stellt sich Zaz damit doch unweigerlich in eine Reihe mit der unvergesslichen Edith Piaf. Doch Zaz ist anders, so anders, dass sie sich einem Vergleich dieser Art komplett entzieht. Ihre Stimme bezirzt mit Charme, mal melancholisch samten weich wie in Sous le ciel de Paris, mal keck in Paris sera toujours Paris, verschmitzt rau, fast rebellisch, wie in Paris canaille, oder kindlich verspielt wie in La Romance de Paris. Zaz besitzt eine Spannbreite, eine Vielfältigkeit, der man sich schlicht verfällt.

Paris klingt mal nachdenklich, ruhig fließend, wie an einem Sommerabend am Ufer der Seine, dann quicklebendig wie Nächte auf dem Montmartre oder im Marais. Gekonnt verquickt Zaz Elemente den klassischen Chanson mit Elementen des Jazz und einer Big Band. Stellvertretend sei hier das Duett mit Nikki Yanofsky I love Paris genannt.

Das Album zeigt eine reife, immer wieder überraschende Künstlerin, perfekte Arrangements und Liebe zur Musik. Diese Lebensfreude steckt an, vermittelt den unzähmbaren Drang der Bewohner von Paris nach Freiheit mit denkbar unterschiedlichen Lebensmodellen und deren ur-positive Grundeinstellung.

Paris ist in jeder Hinsicht eine Perle. Musik, die so leicht erscheint und doch unglaublichen Tiefgang besitzt. Klanglich kommt ebenfalls Freude auf, dynamisch, klangfarbenstark und aufgeräumt. Als Vinyl Doppelalbum einen Hauch homogener ... ki.

 


 21.03.2015

Bob Dylan | Shadows In The Night | Sony

Bob Dylan | Shadows In The Night | Sony

Die Marke von 100 Millionen verkauften Alben hat er lange gerissen, Bob Dylan ist für viele Musiker Muse und Idol gleichermaßen. Was aber, wenn ein so brillanter Künstler sich im fortgeschrittenen Alter selbst vor den eigenen Idolen verneigen will?

Nun wagt er dieses Experiment und widmet sich dem „Great American Songbook“, Stücken, deren Klang wir von keinem geringeren als „The Voice“ Frank Sinatra im Ohr haben. Sinatra und Dylan, ein wenig ist das wie sämig güldner Honig neben vertrocknetem Stroh mit Rollsplit. Und doch geht das Experiment auf. Denn Dylans Shadows In The Night ist keine Kopie, keine runtergedroschene Neu-Interpretation. Denn wirklich neu interpretiert er diese wunderbare Musik nicht. Vielmehr verleiht er den Klassikern einen anderen Mantel, abgetragen, löchrig zwar aber durch und durch ehrlich, authentisch.

Bei allem bleibt es Dylan, der Gedanke des Coverns kommt keine Sekunde auf. Im Gegenteil wirken die Balladen noch melancholischer, tiefgründiger. Schwermut dagegen kommt nie auf, denn viel zu akzentuiert und sparsam instrumentiert ist das Ganze, klanglich ebenso faszinierend wie feinfühlig. Auf Bläser verzichtet Dylan, wodurch seine Stimme klar in den Mittelpunkt rückt. Akustisch und aufnahmetechnisch gibt sich Dylan keine Blöße. Trotz der bescheidenen Laufzeit, knapp über 35 Minuten, ein Juwel und nichts weniger als eine wahre Bereicherung.

Als schwarzes Gold lohnt sich das Album besonders, denn die CD liegt gleich bei ... ki.

 


 15.12.2014

AC/DC | Rock or Bust | Sony Music

Haben auch Sie einen tollen Tipp, ein Lieblings-Album oder ein Highlight entdeckt? Machen Sie mit und schreiben Sie uns. Gerne veröffentlichen wir auch Ihre Empfehlung. Teilen Sie Ihren Tipp mit anderen Musikbegeisterten und Freunden von AUDIO PHYSIC. Das darf ein einfacher Hinweis auf das Album, das Konzert oder den Film sein, oder eine eigene kleine Rezension.

AC/DC | Rock or Bust | Sony Music

Später als gewohnt erscheint unser Musiktipp des Monats Dezember. Die Verzögerung hat jedoch einen guten Grund: Erst seit gestern ist das neue AC/DC-Album Rock or Bust auf Vinyl erhältlich und eine Wertung der Pressqualität wollten wir Ihnen nicht vorenthalten. Um damit zu beginnen: Die Pressung ist einwandfrei, 180 Gramm Vinyl, geringstes Grundrauschen. Obenauf gibt es die CD, keinen Daten-kastrierten Download, und reichlich Info- und Bildmaterial im Booklet.

Mit der Veröffentlichung in der Vorweihnachtszeit setzen die Altrocker sicher auf erfolgreiche Verkaufszahlen; für mich dagegen ist es ein willkommener Kontrapunkt zum allgegenwärtigen Weihnachtsgesäusel mit Weichspüler-Effekt. Rock or Bust schließt nahtlos an Black Ice an, auch wenn das Album insgesamt härter und spartanischer wirkt.

Bereits mit Angus' erstem Riff, also nach nicht einmal zwei Sekunden, ist klar, wer hier an den Saiten zerrt. Staubtrocken und rotzig legen die Rocker mit dem Titelsong Rock or Bust los. Das Tempo ist nicht wirklich schnell, beinahe gemächlich und dennoch bombastisch, vergleichbar einer Planierraupe, die bedrohlich und unaufhaltsam auf den Hörer zuschnauft. Play Ball startet melodischer, flockiger und schleicht sich binnen weniger Augenblicke in Beine und Blut. Rock the Blues Away vermittelt das unnachahmlich freiheitliche Lebensgefühl der Neuen Welt – auch wenn die Musiker aus Down Under stammen. Einer Hymne gleich bohrt sich das Stück in den Gehörgang. Miss Adventure setzt andere Akzente, weniger Durchatmen, keine tragende Wogen, viel mehr ratternde Riffs mit Headbanging-Appeal.

Richtig schwarz wird es in Dogs of War. Fett und dreckig schwelt der Song, greift mit robuster Rhythmik unaufhaltsam um sich. Weiter geht es in klassisch harter AC/DC-Manier. Rock of House dagegen hat den Blues, eint dessen melodisches Element mit knochentrockener Hardrock-Konsistenz. Mit dem elektrisierenden Emission Control verabschieden sich AC/DC aus Rock or Bust, hoffentlich nicht erneut für sechs Jahre. Denn Musik, die vom ersten Ton an den künstlerischen Fingerabdruck einer Formation erkennen lässt – seit Jahrzehnten – ist rar in unseren Zeiten.

In diesem Sinne audiophile und rockige Weihnachten ... ki.

Zu allen AUDIO PHYSIC Musik-Tipps

 


 02.11.2014

Annie Lennox | Nostalgia | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats November

Annie Lennox | Nostalgia | Universal

Als Künstlerin ließ und lässt sich Annie Lennox nicht in Schablonen pressen; im Gegenteil, sie gestaltet diese lieber selbst. Ob Punk oder Pop, ihr Wirken verwob sie gerne mit einer extrovertierten Selbstdarstellung. Spätestens mit Dave Stewart und Eurythmics hat sie dann musikalische Zeichen gesetzt. Meisterwerke des Artpop, die sie durch ihr androgynes Auftreten auch medienwirksam gestaltete.

Dabei ist diese Ikone des Pop weit mehr, was den Bogen zu ihrem aktuellen Album Nostalgia spannt oder uns diesem zumindest näher bringt. Bereits als junges Kind lernte Annie Lennox Klavier und Flöte, studierte klassische Musik. Sehr weit ist das von Nostalgia nicht mehr entfernt. Hier widmet sie sich, im Sound und Instrumentierung stark reduziert, Klassikern des Jazz und Blues. Und wie sie das tut, ist äußerst beeindruckend. Ob Giorgia in my Mind, Summertime oder You Belong to Me – schon durch die Qualität der begleitenden Musiker pulsieren die Stücke, zum Leben aber erweckt Annie Lennox sie neu. Anschmiegsam, charmant haucht sie allen Stücken nahbare, weibliche Erotik ein – so ganz anders als die unnahbare Eurythmics-Lennox.

Konnte die Musikerin schon vor Jahrzehnten mit Stimmgewalt überzeugen, begeistert sie heute mit famoser Kontrolle und spürbarer Finesse. Die „Schwärze“ einer Oleta Adams erreicht sie nicht, das mag manchen in Verbindung mit diesen Klassikern ein wenig stören, schlicht weil man es erwartet. Dafür verleiht sie der Musik frischen Glanz, mehr Samt, mehr Swing und zugleich eine stringente Intensität.

Annie Lennox transferiert auf Nostalgia zwölf unvergessliche Stücke in unser Jahrhundert und beweist, wie vielschichtig ihr künstlerisches Gesamtwerk ist. Ihre Stimme ist auf der Höhe, kein Korn stört das Vibrato, keine Unsauberkeit den musikalischen Ausdruck. Klarheit und Präzision der Aufnahme runden das Paket vollends ab. Selten treffen Analytik und Ausgeglichenheit derart gelungen aufeinander. Für die nun langen Abende ist dieses Album ein wahres Fest. Die LP überzeugt zudem durch ein ausgiebiges Booklet und vorzüglich rauscharme Pressung ... ki.

 


 12.09.2014

Driving Mrs. Satan | Popscotch | Indigo

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats September

Driving Mrs. Satan | Popscotch | Indigo

Hardrock und besonders Heavy Metal sind nicht jedermanns Sache, gerade unter Audiophilen werden die extrovertierten Stars skeptisch beäugt. In manchen Dingen sind uns unsere italienischen Nachbarn etwas voraus – so wie das Trio Driving Mrs. Satan. Die englisch-italienische Combo verleiht auf Popscotch in Hard'n Heavy-Gefilden bestens bekannten Stücken ein völlig neues Gesicht. Aus ratternd quietschenden E-Gitarren-Riffs werden silbrig fein schimmernde Akustik-Gitarren, aus bretterharten Drumtiraden famos differenzierte, perfekt ausgelotete und flockig daherkommende Bässe.

Mit der weichen, mal engelsgleichen, dann schelmenhaften Stimme von Frontfrau Claudia Sorvillo kombiniert, entstehen federleichte Akustik-Balladen von enormer Transparenz. Ohnehin ist die Scheibe in puncto Auflösung ein absolutes Highlight, satte, pralle Klangfarben ergänzt durch überschäumende Spielfreude. Doch neben der audiophilen Aufnahmequalität zeichnet in gleichem Maße die absolut ungewöhnliche wie unerwartete und intelligente Interpretation der Stücke von AC/DC über Iron Maiden bis Slayer dieses Werk aus. Aus Hard'n Heavy wird eleganter Indie-Pop mit pfiffigen Arrangements und leichten Anlehnungen an Country bis Folk.

Ist das Erstlingswerk von Driving Mrs. Satan durchweg hörenswert, so ist die Interpretation von Hells Bells ein Überflieger, den man sich für den Schluss aufheben sollte. Grandios! Trotz dieser gänzlich neuen Interpretation kommt das Stück ebenfalls voller Energie und geht sofort unter die Haut – angenehme Schauer laufen einem über den Rücken. Popscotch, das ist Musik in erhabener Leichtigkeit, niemals banal und fernab gleichgültiger Langeweile ... ki.

 


 04.08.2014

Pink Floyd | The Division Bell | Warner

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats August

Pink Floyd | The Division Bell | Warner

Äußerst wenigen Künstlern ist es gegeben, sie bereits an den ersten Tönen oder Takten zu erkennen. Pink Floyd zählt zu diesen Ausnahme-Musikern. So beginnt The Division Bell mit sphärischen Klängen einer E-Gitarre, die so schlicht nur von David Gilmour stammen können.

The Division Bell ist (leider) das bisher letzte Album der Kultband und wurde wie die vorherigen Alben neu aufgelegt und feinfühlig remastert – brillant trifft es allerdings besser. Für die Neuauflage wurden die analogen Master verwendet, was den Kauf der Doppel-LP nahe legt. Schließlich ist die Anzahl durchgängig analoger Aufnahmen bis zur Pressung heute als homöopathisch zu betrachten. Das bringt mich zu einem Hinweis: DSD-Files stehen gerade hoch im Kurs. Einen technischen Grund dafür gibt es nicht, eher cleveres Marketing – denn in 99% aller Fälle gab es Zwischenschritte in PCM. Bleiben wir beim Klang: Die LP ist hervorragend gepresst, vernachlässigbares Grundrauschen und eine Auflösung, die der ursprünglichen CD oder LP weit überlegen ist. Diese Klangqualität zeigt sich nicht durch besondere Auffälligkeiten/Betonungen in bestimmten Frequenzbereichen, viel mehr besticht The Division Bell nun durch unauffällige Transparenz und Klarheit. Sattsam tiefe Basswogen, farbige Mitten und duftige Höhen – sie fügen sich zu einem Ganzen, dass viele andere Top-Aufnahmen weit hinter sich lässt.

Nun zählt der Klang nicht alleine, aber wie schön ist es, wenn erstklassige Musik und kompromisslose Technik aufeinandertreffen? Gewiss ist The Division Bell nicht so richtungsweisend wie beispielsweise Animals oder Dark Side of the Moon, kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinn. An Authentizität aber haben Pink Floyd hier, auch ohne David Gilmore, nicht verloren. Das ist Musik mit Gesicht, nicht austauschbar. The Division Bell ist Pink Floyd durch und durch, in jeder Note. Ein Album, das zum Träumen einlädt, mal ein wenig melancholisch, meist aber emotional überbordend, trotz allen Bombasts niemals erdrückend, mehr eine spannende musikalische Reise, mit der Pink Floyd in vielen Ländern den ersten Platz der Charts eroberten.

Die Kunst dabei ist, dass Pink Floyd dies nicht durch kommerziell förderliche, eingängige Melodien gelingt. Viel mehr fügen sich die unzähligen, komplexen Elemente zu einem tiefgründigen Ganzen. Man schwebt förmlich auf den Wogen der Musik, lässt man sich ein, ist es ein Urlaub für die Seele. Und in gewisser Weise eine Reminiszenz an das eigene Schaffen in Jahrzehnten, auf den Punkt bringen es die Musiker in The Division Bell selbst: „the grass was greener“ (High Hopes).

Die klanglich großartig überarbeitete Neuauflage von The Division Bell ist – fernab jedes High-End Pling-Plangs – ein Juwel in jeder Sammlung und für Fans der Kultband eine heiße Empfehlung, besonders auf Vinyl ... ki.

 


18.07.2014

Schiller | Atemlos | Universal

Schiller | Atemlos | Universal

AUDIO PHYSIC-Freund D. Steinert aus Bestwig empfiehlt das Album „Atemlos“ von Schiller.

 


 01.07.2014

Tom Odell | Long Way Down | Sony Music

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Juli

Tom Odell | Long Way Down | Sony Music

Das Klavierspiel tönt so sanft und quirlig frisch zugleich, dass ich mich nach wenigen Takten ertappe, wie mein Körper die Musik aufnimmt und mitwippt. Nur Sekunden später erklingt die Stimme von Tom Odell, kehlig hell und rau, zerbrechlich wirkt sie – anfangs; denn nach gut eineinhalb Minuten nimmt nicht nur der Song Grow Old with Me an Fahrt auf, sondern auch der junge Künstler. Trotz der begnadeten Rhythmik und der üppigen Instrumentierung bleibt Odell im Fokus und Meister des Geschehens. Was für ein Einstieg. Ein Start, der nicht alleine Lust auf mehr macht, sondern gar ein wenig bange, ob Odell jene ungebremste Spielfreude und Musikalität ein ganzes Album lang durchhält. Immerhin ist Long Way Down sein Debut-Album. Rock vom Besonderen, intelligent und nicht abgenutzt.

Auf jeden Fall legt Odell, der seine Songs selbst schreibt, in Hold Me in eine härtere Gangart ein. Instrumente, Riffs zerren tüchtig, Odells Gesang ist nun deutlich abgebrühter. Und doch: in den leisen Sequenzen erscheint der rockige Song wie ein kleiner, leuchtender Juwel.

Another Love knüpft nahtlos an den ersten Titel an, melodisch, zuerst nur das Piano mit einem noch zurückhaltenden aber nicht minder leidenschaftlichen Odell. Wie leichte Wattekugeln scheint sein Gesang über den Klavierläufen auf und ab zu schweben, bis er durchstartet. Beinahe unheimlich, wie es dem jungen Briten gelingt, balladenhafte Elemente in Form eines Crescendo mit zwingender Rhythmik zu einer mitreißenden Einheit zu verweben.

Auch die folgenden Stücke leben von der Wandlungsfähigkeit dieses Talentes, der mit seiner Stimme, mal zart, beinahe schwach, dann hoch emotional (Sense), druckvoll und stark wirkt.

Mag sich das Strickmuster einiger Songs ähneln – sanfter Start, dann Fahrt aufnehmend bis zu fulminanten Einsätzen – es entsteht an keiner Stelle das Gefühl einer Kopie. Jedes Stück besitzt eine einzigartige Signatur, offeriert so viele Details zwischen piano und forte, dass es sich bei mehrmaligem Hören stets neu offenbart.

Ganz besonders Long Way Down, der Titelsong des Albums, war auch in Demos auf der High-End 2014 in München zu hören. In dem Track belegt Odell einmal mehr, wie gekonnt er die leisen Töne beherrscht. Kombiniert mit seinem gefühlvollen Klavierspiel entsteht eine Pretiose, emotional ohne Pathos.

Tom Odell meistert auf seinem Debut-Album alle Tonlagen, die leisen wie die lauten Töne. Er liefert eine Melange aus Balladen und Songs, die zu einem musikalischen Wirbelsturm anwachsen. Bei aller Andersartigkeit erinnert mich das an frühe Werke von Foreigner, die wie beispielsweise Juke Box Hero auch dieses zwingende Element besitzen, dem man sich nicht entziehen will. Tom Odell kann auf eine fundierte musikalische Ausbildung am renommierten „Institute of Modern Music“ in Brighton zurückblicken und gewann bereits den „Critics' Choice Award“. Das gibt Mut, dass dieses beeindruckende Erstlingswerk keine Eintagsfliege bleiben wird ... ki.

 


 06.06.2014

Mando Diao | Aelita | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Juni

Mando Diao | Ælita | Universal

„Wir bleiben nicht stehen, wir kopieren uns nicht selbst und wir entwickeln uns mit jedem Album weiter”, eine klare Ansage der beiden Musiker Björn Hans-Erik Dixgård und Erik Gustaf David Norén – kurz: Mando Diao.

Musiker, die regelmäßig in den Charts landen, neigen leicht zu Aussagen dieser Art; schließlich will man verkaufen. Im aktuellen Fall ist aber einiges dran, denn zum Vorgängeralbum Give Me Fire sind zwar Parallelen zu erhören, doch nur in homöopathischen Dosen. Richtig rockig, wie zuvor gewohnt, kommt nur der erste Song Black Saturday daher. Was folgt, ist aber keineswegs gepflegte Langeweile sondern gepflegte, sprich intelligente Arrangements, eingängig und doch von Track zu Track in der Intensität ganz unterschiedlich.

Das eigentliche Element dieses Albums ist für mich eine bewusste oder unbewusste Reminiszenz an vergangene Jahrzehnte mit Schwerpunkt Achtziger – es scheint als hätten die schon zu Ikonen avancierten Musiker Dixgård und Norén all die musikalischen Einflüsse, die sie in ihren jungen Jahren begleitet haben in dieses Album eingewoben. Und das sind offensichtlich eine ganze Menge. So breitet sich Money doesn't Make You a Man auf einem flotten Dancefloor-Teppich aus und erinnert dabei frappierend an Synthie-Klänge von Kraftwerk.

Sweet Wet Dreams verhehlt nicht Parallelen zu Werken von Frank Farian, die für ihn oft so typische Melange aus elektronischen Klängen kombiniert mit Gitarre und Gesang. Ist das Stück leicht und flüssig, so erscheint If I Don't Have You düster, getragen von erdigen Bässen.

Baby startet mit einem Intro, das glatt aus der Feder von Pink Floyd oder Alan Parsons stammen könnte; immer noch ein wenig düster und mystisch. Wie bleierne Wolken breitet sich der Sound aus und man erahnt sogar ein wenig von Eroc's Wolkenreise bis der Gesang startet. Ein facettenreiches Stück mit Tiefgang.

Federleicht kommt dagegen Lonely Driver – knapp und klar instrumentiert, stehen hier die nun betont rauchigen Vocals im Vordergrund. Im Stil hätte das Stück in den Siebzigern formidabel zum Soundtrack von Shaft gepasst.

Child bringt eine weitere Wende. Hier bedienen sich Mando Diao dem typischen Oldfield-Soundgefüge; ein wenig hymnenhaft und schlicht spannend.

Danach geben die Musiker mit Romeo deutlich mehr Gas – Parallelen zu späteren Werken von Alphaville – nur erdiger, griffiger, rasanter.

Make You Mine ist wohl „das” Stück, das auf der Suche man einen typischen Mando Diao-Stil genannt werden kann.

Als Draufgabe servieren die Künstler Black Saturday, Romeo und Sweet Wet Dreams in trickreichen Variationen. Sie spielen mit verschiedenen Stil-Mitteln und die tüchtigen Bass-Einlagen sorgen für Groove satt.

Mit Ælita liefern Mando Diao nicht das einfachste oder gar eingängigste Album, dafür Musik, die sich dem Zuhörer nach und nach weiter öffnet. Faszinierend, wie viele Parallelen zu Künstlern aus den vergangenen Jahrzehnten zu entdecken sind; ohne dass Mando Diao etwas imitieren. Ihr Ziel, sich von vorangegangenen Alben zu entfernen, ist bravourös gelungen.

Klanglich überzeugt das Album mit punktgenauen, satten Bässen und einem bei aller Komplexität weiten Panorama mit räumlicher Tiefe. Die Doppel-LP in weißem Vinyl ist hervorragend gepresst; der mitgelieferte Code zum Download vermittelt aber nur gekappte Datenraten. ... ki.

 


 02.05.2014

Augustines | Augustines | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Mai

Augustines | Augustines | Universal

Wenn man sich seines Namens nicht sicher ist, tauft man sich um, zumindest taten das die Augustines zweimal – bei gerade zwei veröffentlichten Alben ein recht beachtlicher Schnitt. Aber sonst scheint mit den Herren Billy McCarthy, Eric Sanderson und Rob Allen alles zum Besten bestellt. Was sie musikalisch aufbieten, ist wirklich groß.

Die ursprünglich aus Brooklyn stammende Truppe zelebriert Indie-Rock vom Feinsten. Ganz bedächtig startet das Album mit rauchig knochigen aber doch gefühlvoll sanften Vocals, pittoresk mit pastellenen Synthietönen und einem knarzigen Kontrabass unterlegt. Dann nimmt die Combo mit Nothing to Loose but Your Head in bester U2-Manier Fahrt auf. Das erinnert an deftig, flotten Rock der Achtziger. Es folgt mit Weary Eyes gediegene Kost, verführerisch arrangiert, fast hymnenhaft, aber nie pathetisch, einfach rund.

Mit Walkabout liefern die Augustines eine echte Perle, die mit dem Piano zuerst sanft schimmernd startet, ein wenig fühlt man das sphärische Element mancher Songs von Aha, dann startet der Song richtig durch, die Rhythmen werden dominanter und die Trommeln bilden ein rustikales Gerüst. Dieses Tempo macht an.

Ein Muster, dem die Band bis zum Ausstieg Hold Onto Anything gleich in mehreren Songs folgt. Ruhig, bisweilen behäbig zu Beginn, dann immer rasanter bis zu fulminanten Einsätzen. Schnell drängen sich da Assoziationen zu Werken von U2 und Springsteen in den Neunzigern auf, aktuell zu Coldplay, aber die Augustines sind weit entfernt davon, auch nur irgendetwas zu kopieren. Was diese Band zeigt, ist intelligenter, intensiver Alternativ-Rock, melodisch und unglaublich packend. Die Stücke strahlen eine positive Energie aus, es ist gar nicht zu vermeiden, die Scheibe gleich mehrfach hintereinander zu hören und anerkennend festzustellen: Das ist richtig gute Musik.

Klanglich kommt das Werk sehr kompakt daher, erst nach und nach eröffnen sich im vermeintlichen Dickicht filigrane Strukturen (immer wieder der knorrende Kontrabass) und die Drums drücken ordentlich und reichen tief.

Das zweite Album der Augustines ist beeindruckendes. Vorbildlich: zur LP gibt es den freien Download in voller Auflösung (wav)! ... ki.

 


 06.04.2014

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats April

Alison Moyet | The Minutes | Demon Music

In den Achtzigern nannte man sie das Pop-Pummelchen; was dieses Pummelchen jedoch stimmlich auf der Pfanne hatte, war mehr als bemerkenswert und landete regelmäßig in den Charts. Als Front-Frau von Yazoo und auch mit eigenen Alben machte Alison Moyet zu diesen Zeiten auf sich aufmerksam.

Heute ist aus dem Pummelchen eine schlanke Dame geworden, deren Stimme ihren Reiz nicht nur behalten hat, sondern, nun einige Jahre gereift, noch facettenreicher erscheint. The Minutes knüpft nicht an frühere Werke an, was Fans etwas enttäuschen mag. Nein dieses Album bleibt zwar der elektronischen Musik und damit auch dem Yahoo-Stil in gewisser Weise treu, erweist sich aber spätestens nach dem zweiten Stück als eigenständig. Die Künstlerin frönt in der Gegenwart nicht den eingängigen Melodien früherer Zeiten.

Auf The Minutes bewegt sich Moyet gekonnt zwischen fetten Elektrobeats und sphärischen Klängen. Spannend wird dieses Album durch seine Vielfalt, die spannenden und teilweise völlig unerwarteten Tempi-Wechsel. Mal wirkt der Sound kompakt poppig wie in Love Reign Supreme, mal theatralisch und düster – im positiven Sinn – wie bei Rung By the Tide.

Dancefloor, Groove, stakkatoartige Melodik – eine Bandbreite, die mit jedem Hördurchgang Neues entdecken lässt. Die einzigartige Stimme der Moyet hat kein Jota an Reiz verloren. Ein tolles Album, klanglich kein High-End aber hohes Niveau, satt, rund, gefällig, mit erstaunlichem Tiefgang. Sehr bemerkenswert ist, dass selbst im fettesten Klangdickicht auf der LP im Unterschied zur CD Moyets Stimme absolut autark und klar definiert wiedergegeben wird. Eine Scheibe mit intelligenten Arrangements, die zum Verweilen und Entspannen einlädt. The Minutes ist die Empfehlung an all jene, die wohl bekannt geglaubte Künstler auf neuen Wegen begleiten wollen. Die LP punktet nicht nur in Colour-Vinyl, sondern auch mit erweitertem Bassfundament gegenüber der CD. Finger weg vom Download – klanglich eine Niete. ... ki.

 


 06.03.2014

Paul McCartney | New | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats März

Paul McCartney | New | Universal

Es ist trefflich, wenn man Nichts mehr beweisen muss. Fördert ein solcher Zustand manchmal gepflegte Langeweile, so ist es für andere geradezu ein Jungbrunnen in Sachen Kreativität. Nun kann man Sir Paul McCartney gewiss keinen Mangel an Ideen unterstellen. Doch in seinem neuen Album New klingen die Titel tatsächlich erfrischend neu. Teilweise klar angelehnt an den Beatles-Sound wie in I can Bet, nur eben in unsere Zeit transferiert. In anderen Stücken finden sich deutliche Parallelen zu McCartneys künstlerischem „Zweit“-Projekt The Fireman, auf das ich seinerzeit eher zufällig stieß. Überwiegend elektronisch, experimentell, forsch nach vorn drängend, hätte ich The Fireman niemals auf McCartney gemünzt. New ist eine kongeniale Mischung aus beiden Stilen, ein Werk, das sich nicht mit dem ersten Zuhören erschließt. Keine sogartig eingängigen Melodien, dagegen wunderbar verspielt, wächst New zu einem großartigen Werk zusammen. Jedes Stück wie ein Mosaikstein, die sich in ihrer Summe zu einem wirklich neuen Bild zusammenfügen. Für mich die beste Scheibe unter McCartneys eigenen Namen. Klanglich bei aller Komplexität der Stücke sehr sauber; dass die Stimme des Meisters vielfach elektronisch leicht verfremdet daherkommt, ist hier klares Stilmittel. Top: die LP ist tadellos gepresst. Schlecht: der dazugehörige Download ist klanglich echte Magerkost ... ki.

 


 06.02.2014

Basta | B | Sony Music

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Februar

Basta | B | Sony Music

Den Mitgliedern der Combo Basta wurde die Gabe der Musik in die Wiege gelegt, das spürt der Zuhörer vom ersten Takt an. Die Künstler unterstreichen ihr außerordentliches Talent durch eigene Kompositionen und den weitgehenden Verzicht auf Instrumentierung oder elektronische Helferlein.

Ihren Charme entfalten die fünf Musiker durch ihre Stimmen, begnadete Beherrschung derselben lässt jedes Stück leicht, heiter und auf gewisse Weise bekömmlich erscheinen. Bekömmlich, weil andere Musik im direkten Vergleich plötzlich überladen und fett wirkt und man sich die Frage stellt: Braucht es das ganze Drumherum überhaupt, wenn es ohne geht?

Die Zeit rast, der erste Titel vergeht in gefühlten Sekunden, weil Komposition wie Text so „neu“, so unverbraucht auf den geneigten Zuhörer wirken. Kein Wunder, dass die Neugier von Track zu Track steigt. Mit intelligenten Inhalten aus der eigenen Feder nimmt die Combo den Lebensalltag mit all seinen kleinen und großen Tücken köstlich auf die Schippe; beste Beispiele: Chica Tropicana oder die Zeit heilt alle Wunden.

Der wunderbare A capella-Gesang geht ins Blut. Schräge Texte wie in Lauch und insbesondere in Anekdotenbehindert erfrischen förmlich, da ist für den Zuhörer alles drin, vom tiefsinnigen Schmunzeln bis zum unerwartet herzhaften Lachanfall. Bemerkenswert: Musik und Inhalt ziehen stets an einem Strang, fügen sich bei aller Komplexität harmonisch wie ein Puzzle zusammen. All das erreicht Basta nahezu ausschließlich mit Stimmbeherrschung. Ich habe der Scheibe zig Mal gelauscht und bin von der Gabe dieser Musiker stets aufs Neue beeindruckt.

Dabei setzen Basta wahrlich nicht allein auf Wortwitz, viel mehr auf Geist und Gefühl. Besonders stark ist unter diesen Aspekten die Zweite Geige. Der Titel handelt von unerfüllter Liebe – hier ist nichts kitschig. Im Gegenteil leidet man förmlich mit. In dieser Live-Einspielung setzen Basta klassische Instrumente gekonnt ein. Durch die Streicher, das Piano und die Bläsereinsätze entsteht eine faszinierende Atmosphäre.

Jegliche Form von Trübsal kontern sie direkt im Anschluss mit „Biene Maja“. Live und Acapella beweist das Quintett einmal mehr musikalische Qualität – das Auditorium ist aus dem Häuschen.

Kurz vor Ende servieren Basta dann einen echten Hammer – eine frech frivole Interpretation von Er gehört zu mir, in dem sie Herbert Grönemeyer persiflieren.

Summa summarum ganz tolle Musik, deren Schwerpunkt auf Freude und Leichtigkeit liegt, ohne je seicht zu sein. Musikalisches Gespür trifft auf intelligente Inhalte und perfekte Komposition. Perfekt auch der Sound. Farbig, samtig und doch exakt durchgezeichnet mit toller Raumdarstellung gerade in den Live-Tracks. Eine Bereicherung jeder Sammlung ... ki.

 


 06.01.2014

Pothead | Jackpot | Janitor Records

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Januar

Pothead | Jackpot | Janitor Records

Noch fehlen die wirklich eisigen Temperaturen für den echten Winter. Kommen wird der sicher, spätestens dann dürfte das aktuelle Album Jackpot der Wahlberliner Pothead für genussvoll heiße Momente sorgen.

Jackpot ist knackiger Rock vom Feinsten, durchzugsstark, wuchtig, durchsetzt mit brillanten Riffs und klar differenziertem Gesang. Das neue Werk ist insgesamt weniger düster als vorangegangene Alben; viel mehr wirkt es durch eine besondere Spannung, eine Art musikalische Elektrizität, die von jedem einzelnen Stück ausgeht – und das jeweils vom ersten Takt an. Ganz deutlich spürt man das in Rhyme in Time. Es ist gar nicht daran zu denken, sich von der Musik zu lösen; so unterschiedlich die einzelnen Tracks sind, mal mit irrsinnig peitschendem Speed wie in Emotion of the Potion und Detroit, dann beinahe hypnotisierend wie in dem melodischen Overblown, sie vereinnahmen den geneigten Zuhörer in Sekunden. Zeit und die 12 Titel verfliegen wie im Rausch, was nicht daran liegt, dass das Album tatsächlich keine 40 Minuten währt. Viel mehr saugt man die Musik mit allen Rezeptoren auf, lässt sich treiben – das muss Künstlern erst einmal gelingen, und schnell darf man dann 12 derart gekonnt komponierte Stücke als Meisterwerke bezeichnen.

Neu in der Truppe ist Schlagzeuger Nicolaj Gorgow, ehemals bei Knorkator. An seinem Vorgänger Sebastian Meyer gibt es nichts zu bekritteln, doch spürt man auf Jackpot die Einflüsse des Neuen. Drums erklingen härter, trockener, eben elektrisierend. Sie geben den Songstrukturen ein unsichtbares Rückgrat. Jackpot das ist Musik, wie sie heute viel selten anzutreffen ist. Pothead verschwenden keine Gedanken an massentaugliche Strömungen und gerade dadurch gewinnen sie immer mehr Anhänger. Wer Pothead je live erlebt hat – die Band ist ab Januar erneut auf Tour –, kennt den Bann, in den die Truppe Zuhörer aller Coleur und Altersgruppen zieht. Schnell werden Sie spüren, dass Jackpot Sie verführt, den Lautstärkeknopf immer weiter nach rechts zu schrauben; das macht so richtig Freude. Diese Musik besitzt eine so unglaubliche Energie, dass man sie gern richtig laut erleben und spüren will.

Klanglich bewegt sich das Album auf gehobenem Niveau und fordert Bassperformance und Auflösungsvermögen von Speakern nachhaltig. Die ebenfalls angebotene LP besticht durch eine hervorragende Pressung und vermittelt noch einmal mehr Verve und Klangfarben ... ki.

 


 09.12.2013

Patrick Wolf | Sundark and Riverlight | P&C Bloody Chamber Music

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Dezember

Patrick Wolf | Sundark and Riverlight | P&C Bloody Chamber Music

Patrick Wolf ist seit jungen Jahren im Musikgeschäft und bis heute alles andere als stromlinienförmig angepasst. Einen Vertrag mit Universal cancelte der Halbire nach einem Jahr, da er seine künstlerische Freiheit in Gefahr sah. Dass diese ihm jedoch heilig ist, belegt die unglaubliche Bandbreite seines musikalischen Schaffens – massentaugliche Konsumkost ist dabei nicht das Ziel. Kurzerhand nutzte er die Segen moderner Medien, wie das Internet, und gründete mithilfe seiner Fans ein eigenes Label.

Mit Sundark and Riverlight beschreitet der 30jährige wieder neue Pfade und schließt dennoch den Kreis zu seinen ersten, sehr experimentellen, ja auch düsteren Alben. Düster ist Sundark and Riverlight nicht, melancholisch in weiten Teilen gewiss, doch nie depressiv. Viel mehr nutzt Wolf mehr als je zuvor die ganze Bandbreite seines künstlerischen Repertoires und spielt nahezu alle Instrumente selbst. Schon als Kind lernte er das Klavierspiel, Geige und Flöte; es folgten Harfe und Ukulele. So ziemlich alles findet sich auf diesem Album wieder. In Fragen der Stilrichtungen bleibt Wolf ein Multitalent und lässt sich nicht eindeutig auf ein Genre festlegen.

Die Arrangements der ersten CD des Doppelalbums, respektive LP, fallen nüchtern, teilweise karg aus. Es entsteht ein Sog, der den Zuhörer in den minimalistischen Kosmos der Stücke hineinzieht. Diese wirken ein wenig experimentell und erinnern an die ersten Werke Wolfs, doch sind die hier deutlich weniger dissonant. Mal gewinnen keltische Einflüsse Oberhand, mal osteuropäische, wie in Vulture. Pieksauber die einzelnen Instrumente, klar getrennt Wolfs ausdrucksvolle Stimme. Hier wirkt nichts überladen – Purismus, den sich nur echte Künstler erlauben können. So dominieren Vocals das elegante Spiel von Geige und Klavier, die wie leuchtende Mosaikstücke den Protagonisten begleiten. Es ist eine Freude den Stücken zu lauschen, die nie den Verlauf nehmen, den man erwartet. Intelligent, avantgardistisch, musikalisch, künstlerisch wie klanglich bemerkenswert.

Im zweiten Teil des Doppelalbums wandelt Wolf auf den Spuren seines Albums Lupercalia (Musiktipp des Monats Mai 2012), indem er einige der Lupercalia-Stücke vollkommen neu interpretiert. Was sich ehemals zumindest unter dem Oberbegriff Pop zusammenfassen ließ, ist nun mehr Folk, Weltmusik. Was auf Lupercalia schnell, rasant war, ist auf Sundark and Riverlight betont langsam. Die Musik umspielt den Zuhörer wie sanfte Wogen des Ozeans während eines Sonnenuntergangs in der Südsee. Was dagegen auf Lupercalia ruhig daherkam, gewinnt hier an Fahrt; trotz oder gerade durch die hier durchweg akustischen Instrumente. Ein Hochgenuss. Alle Stücke sind Juwelen, fast vermessen eines besonders hervorzuheben. Doch Bermondsey Street sticht noch einmal heraus, ist quasi primus inter pares. Hier prangert Wolf menschliche Intoleranz gegen jedwedes Anderssein an ohne anzugreifen. Viel mehr ein Appell an Verstand und Menschlichkeit, der autobiographische Züge besitzt. Nicht pathetisch, nicht überzogen, dagegen berührend. Der Spagat zwischen Inhalt und Form gelingt dem Künstler so brillant, dass man schlicht verstummt.

Sundark and Riverlight ist ein Muss in jeder Sammlung und würdig jeder audiophilen Auseinandersetzung. Vor diesem Ausnahmetalent kann ich nur meinen Hut ziehen. Musik so intelligent, so reif – dieses Album werden Sie mehr als einmal Hören; es wird Sie nicht mehr loslassen. Klanglich offeriert die hervorragend gepresste Doppel-LP noch mehr Farbenfreude, ist noch agiler ... ki.

 


 01.11.2013

Tonbandgerät | Heute ist für immer | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats November

Tonbandgerät | Heute ist für immer | Universal

Nach dem verschiedenen Paul Kuhn, stelle ich Ihnen in diesem Monat bewusst echte Newcomer vor. Es gibt sie tatsächlich noch: junge, unangepasst intelligente Musik in deutscher Sprache. Dabei gestehe ich, dieses Album habe ich mir des Namens wegen gekauft. Wenn sich eine Band Tonbandgerät nennt, erinnert es mich an die Zeiten der großen analogen Bandmaschinen von ASC über Studer bis Teac, bei deren Anblick ich stets leuchtende Augen bekam. Nun diese Hochzeit ist gefühlte 50 Jahre her, de facto gut die Hälfte. Umso neugieriger war ich, da sich hier eine Combo, kaum dem Teenager-Alter entwachsen, mit diesem Namen schmückt. Echte Tonbandgeräte dürften die jungen Musiker nur aus Vaters Erzählungen kennen.

Ihrer Welt entsprechend, setzt Tonbadgerät auch auf elektronische Helferlein wie Rhythmuscomputer etc. – aber eben nicht. Als alleiniges Anti-Qualitätsmerkmal geht das nicht durch. Denn die Musiker setzen Computer, wie auch Drums und Instrumente wohl bedacht ein. Das gilt auch für die Stücke, die sich schnell im Ohr festsetzen. Ohrwürmer im klassischen Sinn sind sie nicht, zu vielfältig und durchdacht sind die Inhalte, denen man gerne mehrfach zuhört und stets neue, intelligente Wortspiele entdeckt. Die Texte sind verspielt, kommen jedoch nie selbstverliebt daher und beschreiben die Welt durch die Augen junger Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten, die bei aller Eingängigkeit anprangern, Selbstkritik üben.

So ganz wollen Tonbandgerät also nicht in das Genre Pop, im Sinne seelenloser, glatt bebürsteter Musik passen. Es scheint, als würden sie sich mal mit Chanson-Charakter und dann mit rockigen Elementen auf ihre eigene Art dagegen auflehnen. Ein Beispiel Hirngespenster, eine tiefsinnige Ballade, rar instrumentiert mit Vocals und akustischer Gitarre im Vordergrund. Tiefsinnige Texte über die prägende Zeit der Jugend, Orientierung und die eigene Stellung im Leben und zu den Menschen. Wunderbar pointiert wiedergegeben in Halbmond: „ich bin sicher nicht allein, hab Leute zum Reden, aber wie viel soll ich sagen, wenn sie die Hälfte nur verstehen?“.

Abgedroschene Phrasen sind Tondbandgerät fremd. Ihre Inhalte sind vielschichtig, mal plakativ, mal filigran, wie in Mit dieser Welt allein „du sagst, du spielst mit dem Gedanken – mit Gedanken spielt man nicht...“ oder in Landebahn „es ist unendlich kalt hier, wenn alles schweigt...“. Eine bemerkenswerte Stärke der Musiker liegt in ihrer Fähigkeit ungewohnte Bilder zu entwickeln „Wenn die Nacht über uns zerbricht und ihr grelles schwarzes Licht...“ oder „Du fährst aus der Haut, ich fahre hinterher...“.

Tonbandgerät das ist oberflächlich betrachtet eingängige Musik, bei genauerer Auseinandersetzung aber sind Tonbandgerät unangepasst, in jedem der zwölf, sehr unterschiedlichen, Stücke treffen Wortwitz und Realitätssinn kritisch aufeinander. Dabei gelingt es den Musikern immer, einen Sonnenstrahl auf die Seele des Zuhörers zu lenken. Heute ist für immer ist eine Bereicherung der deutschsprachigen Musik. Audiophile Maßstäbe setzt das Album nicht, bewegt sich aber durchweg auf erfreulich hohem Niveau ... ki

 


 28.10.2013

Leonard Cohen | Ten New Songs | Sony

Leonard Cohen | Ten New Songs | Sony

Eine Empfehlung von B. Schneider aus Kierspe für AUDIO PHYSIC-Freunde

AUDIO PHYSIC-Freund B. Schneider aus Kierspe empfiehlt Leonard Cohen "Ten New Songs". Seine Meinung: "Diese Stimme muss man einfach mögen, oder auch nicht, aber wenn, dann richtig."

 


 17.10.2013

Paul Kuhn | The LA Sessions | In Akustik

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Oktober

Paul Kuhn | The LA Sessions | In Akustik

Die Achtzig hatte Paul Kuhn schon weit überschritten, sein Gang geriet unsicher, die Spuren des Lebens zeichneten sein Gesicht – seiner Musik war das bis zum letzten Atemzug nicht anzuhören. Sie war sein Jungbrunnen, in ihr ging der Wiesbadener auf. Mit dem Alter schien gar das Einfühlungsvermögen des Ausnahme-Talents Kuhn in sein Piano stets zu wachsen. Welch deutscher Musiker lebte den Jazz wie er? Auch wenn er seine ersten Meriten mit Tanzmusik und als Entertainer vor großem Publikum einheimste.

Kleinere, intimere Darbietungen aber waren sein wahres Metier, der Jazz mit seinen endlosen Facetten seine tiefe Liebe. Dieser widmete er sich in den vergangenen Jahrzehnten konsequent und begeisterte Musikfreunde durch sein so beispiellos leichtfüßig pfiffiges Spiel und natürlich den bezeichnend samtrauen und doch nie kratzigen Gesang.

Die LA Sessions sind die Erfüllung eines Jugendtraums. Mit dem Toningenieur und siebenfachen Grammy-Gewinner Al Schmitt sowie den beiden Jazz-Koriphäen Jeff Hamilton (Drums) und John Clayton (Bass) spielte Kuhn die LA Sessions in den längst legendären Capitol-Studios in Los Angeles ein.

Clayton, Hamilton und Kuhn gehen eine begnadete Liason ein und bilden in jedem Stück ein organisches Ganzes. Es bildet sich eine Grundstimmung, die nicht allein durch Professionalität, sondern durch die Hingabe zur Musik sofort auf den Zuhörer wirkt. Es entstehen unglaublich feinsinnige, lebendige Gebilde, denen Musik als ein Epos zu erzeugen. Dabei schwingt in den Stücken jene filigrane Leichtigkeit, selbst in den melancholischeren Tracks, die nur Ausnahmekünstler im perfekten Zusammenspiel meistern. Kein Protagonismus – das Gesamte ist tatsächlich größer als die Summe der drei einzelnen Musiker.

Einige der 14 Stücke begleitet Kuhn auch gesanglich wie beispielsweise Just in Time oder There will be another You und bildet mit seiner wie mit Mehltau belegten Stimme quasi das Sahnehäubchen. Das wirkt getragen, und macht exakt dadurch Lust auf mehr.

Klanglich betört die Aufnahme durch ihren Glanz, die Tiefe, die weite Einblicke in den Raum erlaubt, und die schlicht hervorragende Abmischung. Da offenbaren sich sanft gedämpfte Farbtupfer ebenso wie die einzigartige Sehnigkeit des Kontrabasses, ohne dass nur der Anfangsverdacht einer Überzeichnung aufkeimt. Eine erstklassige Einspielung. Ich kenne nur eine Aufnahme mit Paul Kuhn, die klanglich wohl noch einen Schritt weiter geht – die ungeschnittene, rein analoge Live-Einspielung von sommelier du son. Auch die LA Sessions sind auf Vinyl erhältlich, auf 999 Stück limitiert, noch griffiger als die CD, die aber ebenfalls höchsten Klanggenuss garantiert.

Die LA Sessions bieten feinsten Jazz in prägnanter Farbenpracht intoniert von begnadeten Künstlern, von denen einer viel zu früh verstorben ist. As time goes by... ki

 


 08.08.2013

Of Monsters And Men | My Head Is An Animal | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats August

Of Monsters And Men | My Head Is An Animal | Universal

Einmal wirklich Neues zu hören, ist selten geworden. Das trifft insbesondere auf die Genres Pop, Rock und Folk zu. Mit Of Monsters And Men betrat 2010 eine isländische Combo die internationale Bühne, deren Spiel auf den ersten Sequenzen zwar irgendwie vertraut klingt, mit ihrem Debut-Album My Head Is An Animal aber in jedem Stück beharrliche Liebe zum Detail und Mut zu ungewöhnlichen Arrangements an den Tag legt. Die Titel sind bemerkenswert verspielt, doch kommen sie nie selbstverliebt daher. Ihre kongeniale Mischung aus Folk-Rock und Indie-Klängen fasziniert nachhaltig und mit jeder Minute bemerkt man mehr, wie ideenreich und vielschichtig die Musik auf My Head Is An Animal ist.

Was die Musik ganz besonders auszeichnet, ist die Leichtigkeit mit der sie binnen weniger Augenblicke gute Laune vermittelt – bar jeder Versuchung in schlagerhafte Belanglosigkeit abzudriften, der „Gute-Laune-Musik“ allzu oft erliegt. Of Monsters And Men produzieren Ohrwürmer mit Tiefgang überwiegend mit akustischen Instrumenten; mal hymnenhaft und gewaltig, dann so sanft umschmeichelnd, als befände man sich in einer Wolke feinster Daunen. Eine Allzeitwaffe, die Abkühlung in brütend heiße Sommertage bringt und in stürmischen Tagen den Frühling ankündigt.

Besonders gut gelingt der Truppe aus Reykjavik die spielerische Balance zwischen Musikern und den beiden Leadsängern Nanna Bryndis Hilmarsdottir und Ragnar Porhallson. Die Stimme des letzteren erinnert an Songs von Buddy Holly oder Jerry Lee Lewis – ungebremste Lebensfreude. Kein Wunder, dass die Truppe mit dieser Energie, den unverwechselbaren Stimmen und der offenkundigen Freude am Musizieren bereits weit über die Grenzen Islands hinaus bekannt wurde; dabei sind ihre Stücke so gar nicht düster und gebremst wie es das Markenzeichen vieler Musiker der Region ist.

Klanglich bewegen sich CD und Vinyl auf hohem und sehr ähnlichem Niveau; die schwarze – in diesem Fall pinkfarbene – Scheibe vermittelt noch ein wenig mehr Spielfreude und Luftigkeit, ist jedoch keine 180-Gramm Pressung. ki

 


 15.07.2013

Black Sabbath | 13 | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Juli

Black Sabbath | 13 | Universal

Schon der Einstieg, der Auftakt ist martialisch. Mit dem Zartgefühl einer Planierraupe donnern Black Sabbath in Originalbesetzung drauf los, nach einigen Sekunden, die einen wie trockenes Laub aus dem Weg föhnen, quetscht Ozzy Osbourne, der so lebendig klingt wie Jahrzehnte nicht, in einer Kadenz Is this the End of the Beginning or the Beginning of the End heraus. Wow, Zeitsprünge gelingen doch nur in kassenträchtigen Hollywood-Streifen? Aber nein, wir sind im Hier und Jetzt. Nach wenigen Takten rutscht mir das Coverbild von Manowar The Triumph of Steel in den Kopf, mit dem Hünen, der wild Schwert und einen gigantischen Hammer, quasi den Hammer des Thor, aus denen Blitze hervorzucken, in den düsteren Himmel streckt – und es passt perfekt; wenn nicht Black Sabbath die wahre Mutter des Metal wären.

Doch das Bild bleibt passend, auch wenn God is dead? langsamer, bedrückender startet; was nur wenige Sekunden vorhält. Dann donnern Drums und Gitarren einem kontrollierten Vulkanausbruch gleich, wenn es den denn gäbe, drauf los. Wer jetzt noch nicht mitzuckt und unbarmherzig vereinnahmt wird, ist entweder zu rational oder nicht für diese Musikwelt geeignet. Eine dunkle, düstere Welt, aber waren nicht die verborgenen, verbotenen, eben die dunklen Dinge besonders reizvoll? Bereits hier ist klar, Black Sabbath knüpfen nahtlos an ihre Frühwerke an. Das gelingt perfekt, sie kopieren sich nicht selbst, erfinden sich auch nicht neu. Viel mehr ist es eine konsequente und durchaus gereifte Fortsetzung. Unglaublich wie rasant das ist, wie packend Gitarrist Tony Iommi und Schlagzeuger Brad Wilk (Rage Against The Machine) Ozzys Gesang Zugkraft verleihen. Wilde Basswogen schwappen druckvoll, dabei erstaunlich konturiert aus den Speakern und Riffs schmettern wie angeschlagene Stahlseile als autarkes Schallereignis daneben.

Loner kommt aggressiver mit tollen Gitarrensoli und staubtrockenen Bassläufen. Die Minuten fliegen vorüber. Wer sagt, dass Headbanging nur etwas für spätpubertierende Studenten mit Gesellschaftsphobie ist...? Fließend geht es über in Zeitgeist. Hier übernimmt die akustische Gitarre das Heft, streichelt förmlich den Hörer. Wunderbar plastisch öffnet sich der Raum, Ozzy ertönt dahinter wie aus dem Orkus – aus einer verborgenen Parallelwelt. Die Bassgitarre vollendet das Stück und erinnert mich dabei ein wenig an Gilmore's sphärisches Spiel.

Age Of Reason startet mit knochentrockenen Drumhieben und die folgenden Riffs zeigen gleich, dass es richtig zur Sache geht. Martialisch wie pechschwarze Gewitterwolken, die sich langsam aber unaufhaltsam und gewaltig über eine Feld wälzen. Der Hörer als Individuum wirkt verloren in einem bedrohlichen Kosmos knatternder Rhythmen, bleischwer grollender Gitarrensoli und Osbournes beinahe Predigt-haften Gesang. Grandios.

Fast eine Atempause gewährt dagegen Live Forever, das deutlich an Fahrt aufnimmt und durch das Tempo leichter daherkommt. Harter Rock mit einem hier besonders ausdrucksstarken Osbourne. Damaged Soul verwebt Elemente des Blues genial mit einem weit gefächerten, soliden Rock-Korsett. Ozzy ist mehr im Fokus und die Truppe gibt Gas, um immer wieder abrupt auf die Bremse zu treten – Entschleunigung der ganz besonderen Art.

Das Werk endet würdig mit Dear Father, und es ist tatsächlich so: Die Zeit bleibt stehen. Schlagzeug, Gitarren und Osbourne fühlen sich bei aller Macht und inneren Dramatik zugleich grazil und facettenreich an. Am liebsten würde man in diesen Kosmos eintauchen, sich wie ein Blatt dem Hurricane ausliefern. Und das gelingt...

Wahrlich kein Album für Jedermann, doch ein Statement einer Band, die die Geschichte des Metal-Rock, insbesondere in den 70ern, stark beeinflusst hat. 18 Jahre liegen zwischen 13 und dem vorangegangenen Album Forbidden, und erstmals seit 1978 spielen Black Sabbath heute wieder in Originalbesetzung. Dabei ist 13 den auf Vinyl gepressten Alben aus den Anfängen viel näher – Zeit ist eben doch ein Kreislauf – ein zwingender Grund auch heute die sehr gute Vinyl-Pressung zu wählen. Hoffen wir, dass in dem Neuanfang kein Ende inne wohnt. ki

 


 03.06.2013

Wagner Ausschnitte | Mariss Jansons | Sony

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Juni

Wagner Ausschnitte | Mariss Jansons | Sony

Zweihundert Jahre liegt die Geburtsstunde des Richard Wagner zurück, ein guter Anlass sich dem Schaffen des Künstlers, der weit mehr als ein Komponist war, auf eine nicht ganz typische Art zu nähern. Für viele Musikliebhaber sind die Werke Wagners schwer, teilweise auf zu dominante Weise verschnörkelt bis hin zum Bombast. Den ganzen Ring zu erfahren, zu verstehen, ist keine leichte Kost. Muss Musik auch nicht sein. Doch um sich Wagner zu nähern, eignet sich diese Live-Einspielung unter der Ägide von Mariss Jansons mit dem Bayerischen Radio Symphonie Orchester ganz besonders. Die Auswahl der Stücke von Tannhäuser über Lohengrin bis zur Götterdämmerung gibt Einblicke in die wichtigen Werke Wagners und macht Appetit, sich mit dem Künstler genauer auseinanderzusetzen.
Nicht nur, dass das Orchester zu den besten der Welt zählt; Jansons gelingt eine ungekannt lockere, spielerische Interpretation, die den Werken Wagners mehr Sensibilität, ja Freude einhaucht, als beispielsweise Einspielungen unter der Leitung Karajans, die eher straff, preußisch diszipliniert, kraftbetont sind. An essentieller Wucht mangelt es Jansons und seinem Orchester keineswegs, doch spielen die Musiker auffallend gelöst, befreit und mit Herz. Jansons und das Orchester verschmelzen zu einer vollkommenen, organischen, pulsierenden Einheit. Die Spielfreude raubt den Atem und entführt den geneigten Hörer in gewaltigen Kosmos des Richard Wagner fernab bleierner Schwere.

Aufgezeichnet wurde die Live-Einspielung im Kunst- und Kulturzentrum Luzern, einem der akustisch besten Häuser der Welt. Und so ist es kein Wunder, dass die Aufnahme nicht nur künstlerisch Maßstäbe setzt. Feinzeichnung und exorbitante Dynamik gehen Hand in Hand, die Klangfarben der Instrumente strahlen prächtig und untermauern nicht nur in den von sanften Streichern geprägten Sequenzen die Lebendigkeit des Ganzen. Jansons gebührt das Verdienst, Wagner mehr Menschen zu öffnen, seine Musik nicht als patriotisches Element zu sehen, sondern als das, was sie ist: ein elementares Werk europäischer Musikgeschichte. ki

 


 02.05.2013

Great Cover Versions | inakustik

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Mai

 

Great Cover Versions | inakustik

Mit diesem Sampler ist inakustik Großes gelungen. Die akustischen und musikalischen Highlights reihen sich Perle an Perle zu einer beeindruckenden Kette voller Kraft und Emotion.

Vom Start weg ziehen Stücke wie „All the Way Lover“ interpretiert von Chris Farlowe and The Thunderbirds durch Strahlkraft und Klarheit mitten ins Geschehen. „Here Comes The Rain Again“ fesselt durch eine absolut minimalistische Umsetzung. Auf der einen Seite die farbstarke Stimme von Friends `n Fellow, auf der anderen lediglich die akustische Gitarre. Zusammen entwickelt sich eine Spannung, die dem Original der Eurythmics in nichts nachsteht. In „Damn I Wish I Was Your Lover“ dominieren die Vocals, mit dem Piano und treffsicher eingesetzten Streichern ergibt sich eine wunderbare Klangfülle, die den Bogen jedoch nie überdehnt.

Absolut großartig: „Dave Is On The Road Again“. Chris Thompson selbst gibt den Manfred Mann Klassiker in einer Big Band Variante zum Besten. Flotter, dynamischer, farbenfroher als das Original. Thompson strotzt vor Energie, da stört es auch nicht, dass der Künstler hier und da mal an die Grenzen seiner stimmlichen Leistung stößt. Es folgt jede Menge hochwertiger musikalischer Kost wie beispielsweise die peppig moderne Interpretation von „It Hurts So Much“ durch Leela James, dann quasi als Gegenpol „When A Blind Man Cries“ von Deep Purple, der durch Gary Barden getragen, fast mit royaler Würde daherkommt. Cindy Laupers Pop-Ohrwurm „True Colors“ verleiht Caroline Hering mehr Leichtigkeit, Ruhe und in jeder Form mehr Farbe.

Knackig geht es dann mit dem Soul-Evergreen „Just The One“ weiter. Jackie Payne und Steve Edmondson geben richtig Gas. Mit packenden Rhythmen offerieren die Musiker jede Menge Freude an der Musik. Ruhiger, atmosphärisch aber nicht minder dicht interpretiert dann der Folk-Musiker John Gorka den Dylan-Song „Just Like A Woman“. Den größten Johnny Cash-Erfolg „Ring Of Fire“ setzt Lucy Kaplansky voller Gefühl und schön prickelnder Finesse so geschickt um, dass man sich schon in Texas wähnt.

Angst vor großen Namen kennen auch Crocket Still nicht, die sich mit Witz, Spielfreude und akustischen Instrumenten wie Cello, Banjo und Geigen an den Beatles-Ohrwurm „We Can Work It Out“ wagen. Melancholie und Leichtigkeit treffen in Neil Youngs „I Am A Child“ kongenial aufeinander. Die Truppe Gilkyson, Gorka und erneut Kaplansky punkten mit akzentuierten Melodielinien und seidigem Gesang. „Bad Moon Rising“ sprüht durch Sandra Naumann dann mit einfallsreichen, jazzigen Arrangements und Tempo.

Zur Kategorie „besser als das Original“ zähle ich den Oldie der Cars „Magic“. Gesungen von Kris Delmhorst in feinster Folk-Manier beschert das Stück mit seiner filigranen Struktur und beinahe erotischer Tiefe wahrlich magische Momente. Ungewohnt sanft erklingt „Sympathie For The Devil“. Der Stones-Hit interpretiert durch Hans Theessink wirkt durch pfiffige Arrangements, die akustischen Instrumente und die raue Blues-Stimme Theessinks frisch wie nie. Last not least zieht Meena mit dem Kiss-Kracher „I Was Made For Loving You“ im Blues-Genwand alle Register und den Zuhörer emotional in den Bann. Widerstand zwecklos.

Diese Compilation ist ein musikalisches Genuss-Feuerwerk. Dank hervorragender Aufnahmetechnik und im Falle der LP exzellenter 180 Gramm-Pressung mit kaum wahrnehmbarem Grundrauschen auch akustisch ein hell strahlendes Juwel. ki

 


 07.04.2013

Harry Nilsson | Nilsson Schmilsson | Sony

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats April

 

Harry Nilsson | Nilsson Schmilsson | Sony

Mit diesem Album bewies Harry Nilsson seine bemerkenswerte musikalische Spannweite. Nicht zuletzt weil der noch deutlich stärker als auf A Little Touch Of Schmilsson In The Night seine Stimme beeindruckend virtuos einsetzt. Wirkt diese ohnehin durch ihre honiggoldene Klarheit, erhöht Nilsson beispielsweise in Early In The Morning den Druck, wodurch die Stimme leicht gepresst wirkt und einen kontrastreichen Konterpart zur sparsamen Instrumentierung bildet. Das klingt wundervoll leicht und flott und verleitet dazu, die Lautstärke mal beschwingt zu steigern. Direkt im Anschluss öffnet der Künstler in der Eigenkomposition The Moonbeam Song einen prächtig breit gefächerten Kosmos; bunt und einfallsreich arrangiert.

Das gilt für das komplette Album, das echte Lust am Musizieren und Lebensfreude ausdrückt. Sogar den inzwischen zig tausendmal abgenudelten Schmachtfetzen 'Without You' der Badfingers versieht Nilsson mit Facetten, die das Stück so federleicht wirken lassen, dass Melancholie viel mehr zum Ursprung neuer Kraft wird als träge in eine Vergangenheit zu weisen. Für seine Interpretation erhielt Nilsson einen Grammy. Ob Calypso-Rhythmen im quirligen 'Coconut' oder rockige Einlagen wie in 'Let The Good Times Roll' oder 'Jump Into The Fire', Nilsson gelingt das Kunststück musikalisch stets seinen Fingerabdruck zu hinterlassen.

Abwechslungsreiche, frohe Musik und ein stimmlich starker Künstler, der sich nicht in Schablonen pressen lässt. Klanglich ausgezeichnet, gerade in dieser Vinyl-Reissue ein Highlight. ki

 


 03.03.2013

Kate Bush | 50 words for snow | EMI

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats März

Kate Bush | 50 words for snow | EMI

Sehen wollen wir ihn schon lange nicht mehr, den Schnee. Doch ihn zu „Hören“, in seinen akustischen Kosmos einzudringen, ist eine viel versprechende und spannende Einladung. Nach längerer künstlerischer Pause widmete Kate Bush, die unangepasste, immer wieder innovative Musikerin das gesamte Album dem winterlichen Thema Schnee. Erwartungsgemäß schlagen sie und ihre Gastmusiker, unter anderen Elton John und der brillante britische Autor Stephen Fry, sanfte und gefühlvolle Töne an. Meist getragen von mollig dunklem Pianospiel. Es gelingt Bush den geneigten Zuhörer in eine Welt voller Nebel und Wolken zu entführen, überschreitet aber dennoch nie die Grenze zur Düsternis. Melancholie ja, Depression nein. Viel mehr darf und sollte man sich gehen lassen, seinen Gedanken und tiefen Emotionen Spielraum geben.

Die Musik breitet sich so sanft aus, dass sie unmerklich schnell nach uns greift, ohne je auf einen vordergründigen Effekt zu setzen, ohne überhaupt auf Effekte zu setzen. Das ist wahrlich die Hohe Kunst. Ein in sich greifendes und stimmiges Werk, die getragenen, balladenhaften Stücke, in denen Bush meist mehrere Instrumente selbst spielt, bilden ein organisches Ganzes. Prächtige Klangfarben, samtige und doch mächtige Klavierläufe bilden ein massives Fundament, das als solches nicht durch seine Festigkeit wirkt, viel mehr erlaubt es, besser generiert beim Zuhören einen Zustand befreiender Schwerelosigkeit. Hier atmet Musik, besticht durch reduzierten Pulsschlag und künstlerische Entschleunigung. Ruhig, zeitlos elegant, wird der Zuhörer selbst zur Schneeflocke, zum Teil der Komposition. Mutig und faszinierend zugleich.

Klanglich bewegt sich das Werk, insbesondere die schwere Vinyl-Pressung auf sehr hohem Niveau. Die rar eingesetzten Drums & Percussions kommen kompakt, nach oben mit offensichtlich bewusst mattem Schimmer. Die das Werk durchgehend prägenden Anschläge des Flügel dagegen klingen befreit, offen, reichen bis weit in die Tiefe des Raumes und bieten eine schier unbegrenzte Palette an Klangfarben. Ein Album, ungeeignet für den schnellen Konsum, nichts zum nebenher Hören – und genau dadurch so besonders, so einzigartig. ki

 


 03.02.2013

Lisa Bassenge | Wolke 8 | inakustik/Minor Music

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Februar

Lisa Bassenge | Wolke 8 | inakustik/Minor Music

Es scheint wie Musik von einem anderen Stern, so leicht, so einnehmend, elegant und verspielt – dabei voller lebendiger Inhalte. Das ist das entscheidende Moment von Wolke 8, hier gelingt es der Jazz-Sängerin Lisa Bassenge Texte und Musik so zu verknüpfen, dass das Werk mehr ist als seine Elemente. Die Arrangements sind so spartanisch wie pfiffig, zusammen mit den intelligenten Texten, dem ganz bemerkenswerten Sprachwitz entstehen Bilder von enormer Größe, die Elemente steigern sich symbiotisch; die Musik wird Träger der Information, aber mehr noch entwickelt sich mit jedem Stück ein eigenständiges, aus dem Leben gegriffenes Kunstwerk.

Das Album startet mit Lass die Schweinehunde Heulen, atmosphärisch ungemein dicht und dennoch leicht wie Peter Sellers Der Partyschreck, zu dem sich sofort Parallelen ergeben. Geniale Texte, die einen Schmunzeln lassen. Musik, die ohne den Umweg über den Verstand nach dem Zuhörer greift.

Die Mehrzahl der Tracks wirkt anfangs melancholisch bis traurig, doch gibt sich Bassenge nie einer Schwermut hin, stets findet sie einen Weg nach vorne. In Das wird nicht für immer sein wird das besonders deutlich. Die Künstlerin beschreibt eine kleine Reise durch das Leben, so wie wir es alle einmal erlebt haben, mit all seinen partnerschaftlichen Tücken und Nicht-Bindungen. Ein mutiger, trotz aller Liebesfehlschläge optimistischer Chanson.

In Van Gogh geht sie noch ein Stück weiter. Die Situation gleicht der kurz nach einer Trennung. Doch statt mit Trauer oder Wut nimmt sie ihre Gefühlslage mit begnadetem Sprachwitz auf den Punkt. Musik und Text existieren durch sich, durch die Lebensrealität – ein Stück, das man immer wieder hört und stets Neues entdeckt.

Inhaltlich fügt sich Dummes Herz nahtlos an. Doch statt durch Melancholie gewinnt das Stück mit flotten Arrangements und sprachliche Intelligenz. Bassenge zeigt einen ironisch listigen Weg, seine düstern Gefühle selbst zu überlisten. Genial gemacht.

Jedes Stück eine Pretiose, ein kleines Kunstwerk. Mit perfekt umgesetzten Minimalismus gewinnt die Musik an Kraft und erwacht zum Leben. Stilistisch bewegt sich Bassenge zwischen Chanson, Jazz und irgendwie auch Neuer Deutscher Welle (Dernier Cri) und ganz am Ende – nur scheinbar endet das Album mit Vagabundeleben – nach einer guten Minute Stille fast technolike mit Das Leben ist geil.

Wolke 8 ist ein inhaltlich wie klanglich (ich empfehle die LP) gelungenes Werk. So intelligent, so facettenreich, so anders: eine Ode an das Leben. ki

 


 02.01.2013

Boz Scaggs | Dig | EMI

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Januar

Boz Scaggs | Dig | EMI

Der erste Musiktipp des Jahres 2013 ist zugleich eine Empfehlung von Siggi Rikeit, AUDIO PHYSIC-Fachhändler und Inhaber des Analog-HiFi-Atelier in Dortmund.

Unter künstlerischen Gesichtspunkten besitzt Boz (William Royce) Scaggs eine bewegte Vergangenheit. In den Fünfzigern bewies er schon als Teenager in verschiedenen Bands sein Talent als Sänger. Waren die ersten Gehversuche stark vom Blues geprägt, sind seine späteren Werke und insbesondere Dig aus dem Jahr 2001 vielschichtiger und von mehreren Stilrichtungen beeinflusst wie Rock, Jazz, RnB und eben Blues sowie leichten Funk-Noten. Insbesondere der erste Track Payday stimmt mit funkigem Einschlag auf das durchweg abwechslungsreiche Album ein, auf dem Scaggs auch Gitarre spielt. Sarah nimmt den Bogen gefühlvoll auf, ertönt bewusst trocken. Geschmeidige Backvocals und ein zugemischter Crisp in den Höhen geben dem Stück eine besondere Note. Bläser und eingängige Synthieklänge, die jedoch nie dominant hervortreten bestimmen Miss Riddle, ein Stück mit perfektem Wohlfühl-Faktor. Es folgt das melancholische I just go, getragen von abgrundtiefen, perfekt austarierten Bässen. Ein Track, der eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. In Desire setzt Scaggs wieder auf tiefe Synthiebässe und seidig klingende Background-Sängerinnen; wirklich zum Dahinschmelzen. Call that Love und King of el Paso legen an Tempo zu, greifen mit ihrer zwingenden Rhythmik den Zuhörer und fesseln ihn. Das gipfelt in You're not, rockig, durchschlagskräftig mit klarer rechts/links Zuordnung der Instrumente. In Vanishing Point glänzt Scaggs mit samtweichem Gesang begleitet von angenehm rustikalen Cello-Klängen. Dig endet mit Thanks to You, langsam, durchdringend und zugleich gewaltig. Klar definierte Basswogen breiten sich aus wie unabänderliche Naturgewalten. Diese enorme Fülle an Farben und Tiefenfundament erinnert an Werke von Toto und tatsächlich ist hier Steve Lukather mit von der Partie.

Dig ist ein beeindruckendes Werk, dessen Intensität aus innerer Ruhe und den kreativen Arrangements erwächst. Klanglich ein Studioalbum allererster Sahne mit einem Bass, der unter Lautsprechern sofort die Spreu vom Weizen trennt. ki

 


 03.12.2012

Jackson Browne & David Lindley | Love is Strange | Warner

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Dezember

Jackson Browne & David Lindley | Love is Strange | Warner

Der Musiktipp des Monats ist zugleich eine Empfehlung des Nürnberger Fachhändlers „Die Steinerbox“ an alle AUDIO PHYSIC-Freunde. Jackson Browne ist eine feste Größe unter den Singer/Songwritern. Mit „Love is Strange“ präsentiert der gebürtige Heidelberger ein Live-Album zusammen mit dem befreundeten Musiker David Lindley. Das Doppelalbum belegt nicht nur die perfekte handwerkliche Qualität der Künstler, es entführt viel mehr mit wundervollen, klanglichen Pretiosen in eine eigene Welt. Viele der überwiegend tragenden und ruhigen Songs sind von einer ausgesprochenen Melancholie geprägt, die jedoch nie Schwermut vermittelt. Viel mehr lädt jedes der gefühlvollen und ausdrucksstarken Stücke zum Innehalten und Verweilen ein, um die Musik als Selbstzweck zu erfahren und nicht immer einer höheren Botschaft zu folgen. Und in Stücken wie „Love is Strange/Stay“ legen die Musiker auch mal Tempo vor, ohnehin eines der absoluten Highlights des Albums.

Neben eigenen Songs spielen die Musiker auch eine ganze Reihe Stücke anderer Künstler und haben dazu namhafte Gastspieler auf die Bühne gebeten wie Kiko Veneno oder Luz Casal. Alle Beteiligten haben sichtlich Spaß an der Sache, eine Freude, die nicht nur dem begeisterten Publikum sondern auch den Zuhörern der „Konserve“ sofort unter die Haut geht. „Love is Strange“ ist eine gelungene Mischung aus Browne-Klassikern und Folk-Songs, alle pfiffig und prägnant arrangiert. Zelebriert mit akustischen Instrumenten ohne überbordende elektronische Nacharbeitung. Großes Lob: die dynamischen Unterschiede zwischen den Musikern und dem Publikum wurden aufnahmetechnisch nicht stark ausgeglichen, was der besonderen, schon intimen Atmosphäre nachhaltig zugute kommt und die Authentizität des Konzerts unterstreicht. Klanglich: extrem natürlich – genau das richtige für heimelige Winterabende! ki

 


 04.11.2012

Chris Thompson | Do nothing till you hear from me | inakustik

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats November

Chris Thompson | Do nothing till you hear from me | inakustik

Im Grunde liefert Chris Thompson mit „Do nothing till you hear from me“ ein weiteres Album im Stile des Great American Songbook. Alleine aus diesem Blickwinkel betrachtet, mag man sich die Frage stellen, ob es dieses Album braucht. Immerhin bewiesen Robbie Williams wie auch Rod Stewart, dass sie das Genre gekonnt beherrschen. Und das eindeutig spielerischer und akzentuierter als Chris Thompson, dessen Stimme in manchen Sequenzen doch überfordert erscheint.

Dennoch ist das Werk des Mannes, der Manfred Mann´s Earth Band die unvergessliche Stimme gab, eine Bereicherung gerade für den HiFi-Enthusiasten. Entgegen den vorgenannten Alben glänzt diese Einspielung mit makellosem Klang. Instrumente und Stimme ergänzen sich in einem natürlichen Größenverhältnis, nichts wirkt überzogen oder flatterhaft. Die Abbildung in die Tiefe des Raums gelang prächtig, ohne dass der geneigte Hörer je vom Protagonisten oder den Instrumenten in der ersten Reihe gezielt abgelenkt wird.

Letztenendes beweist aber auch Thompson Charme, sicher rauer, brüchiger, in höheren Tonlagen gepresster als Williams und nicht annähernd so kraftvoll und verführerisch wie Stewart. Steht bei jenen stets die Interpret im Fokus, ist es aber hier das perfekte Zusammenspiel aller Akteure, das den Ausschlag gibt. Da sind beispielsweise die zarten Streichereinsätze in „Take these Chains“, mit Schmelz und wunderbarer Firnis. Das jazzige „True Love wins again“ getragen von sanft perlenden Pianoläufen, fast schon streichelnden Bläsereinsätzen und dem glockenklaren, güldenen Spiel der Hi-Hats wirkt wie eine entspannende Seelenmassage. Und schon die ersten Takte von „Ole Buttermilk Sky“ mit dem gezupften Kontrabass belegen die klanglich ganz außergewöhnlich hohe Qualität dieser Einspielung.

Zu wahrer Größe läuft Thompson aber einmal doch auf, dann wenn er den Earth-Band Klassiker „Dave is on the Road again“ im Bigband-Format zum Besten gibt. Das macht unfasslich Spaß. Hier zeigen alle Akteure, was sie drauf haben und geben so richtig Gas. Klavieranschläge hüpfen, federn förmlich, Bläser erscheinen kurzzeitig bewusst gebremst und machen so Lust auf mehr. Für Thompson-Fans lohnt das Album schon wegen dieses Tracks. Für Audiophile ist es ein echtes Schmankerl. ki

 


16.10.2012

Alan Parsons Project | Ammonia Avenue | Sony

Alan Parsons Project | Ammonia Avenue | Sony

Reissues haben offensichtlich Saison. Nach Pink Floyd finden sich nun auch viele Alben von Altmeister Alan Parsons in den Regalen der Plattenladen – glücklicherweise auch als hochwertige 180-Gramm Vinyl-Pressungen. Dass Parsons zu den anerkanntesten Tonmeistern zählt, dürfte sich herumgesprochen haben – er arbeitete für die Beatles, Pink Floyd und viele andere Künstler. Aber auch er selbst ist bis in die 90er Jahre sehr umtriebig, komponierte Meisterwerke wie „I Robot“ oder „Tales of Mystery and Imagination“.

Mit „Ammonia Avenue“ näherte sich Parsons deutlich dem Mainstream der 80er an – aber eben nur an. Schaffte es „Don´t answer me“ in die Spitzen der internationalen Charts, sind die wahren Highlights des Albums das rockig dynamische „You don´t believe“ , das erdige Instrumentalwerk „Pipeline“ und das melancholische Titelthema „Ammonia Avenue“ mit Eric Woolfson als Interpret. Sie offenbaren Elemente früherer Alben, die elegante Kombination moderner mit klassischen Instrumenten, wirken jedoch weniger düster und mythisch. Im Vergleich zur Disc aus 84 strahlt die aktuelle LP in völlig neuem Glanz. Schlagzeug, Hi-Hats, alles ist wie von einem Nebel befreit, klingt straffer und klarer. Die Überarbeitung kommt dynamischer, aufgeräumter und zugleich freier ohne dass je das Gefühl aufkommt, der Meister hätte in irgendeinem Bereich übertrieben. Ein Tuning, das dem Meister würdig ist. Auch Woolfson und die anderen Interpreten fühlen sich sichtlich wohl, tönen ausgewogen und farbig wie ehedem, haben aber nun einen nachvollziehbar größeren Raum um sich zu entfalten.

Gewiss hat Parsons größere Werke geschaffen, doch kann man „Ammonia Avenue“ als das letzte Album seiner kreativsten Phase bezeichnen: inhaltlich weit über dem Durchschnitt, klanglich nun, insbesondere als Vinyl ganz ausgezeichnet. ki

 


04.10.2012

Yen | Sofa – so good | Intergroove

Yen | Sofa – so good | Intergroove

Audio Physic-Freund Martin aus Rheinhessen empfiehlt das Unplugged-Album
„Sofa – so good“ der Gruppe Yen.

 


 01.10.2012

Glen Campbell | Ghost on a Canvas | Sony

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Oktober

Glen Campbell | Ghost on a Canvas | Sony

Ein großer Künstler verabschiedet sich und liefert dazu das vielleicht reifste und facettenreichste Werk seiner Laufbahn. Glen Campbell zählt zu den Großen der Musikszene, auch wenn uns das nicht so gegenwärtig ist. Seine Meriten verdiente er sich als Studiomusiker, arbeitete in den Sechzigern für Dean Martin, Frank Sinatra oder auch die Beach Boys. Eigene Erfolge feierte er in den Siebzigern als er den Schritt Richtung Country-Pop vollzog; sein „Rhinestone Cowboy“ sei hier nur stellvertretend genannt.

Mit „Ghost on a Canvas“ komponierte Campbell sein musikalisches Vermächtnis, ein Album gespickt mit kraftvollen, bisweilen rockig eingängigen Songs, die seine Country-Herkunft keineswegs verhehlen („In My Arms“). Tragende Stücke wie „It´s Your Amazing Grace“ oder „Hold on Hope“, voll saftiger Klangfarben, geben dem Album eine erdige Tiefe, ein ruhendes Fundament. Diesen gegenüber stellt Campbell äußerst aufgeräumte Tracks wie „Any Trouble“ oder „Nothing but the Whole Wide World“, die kraftvoll, fast neonfarben, leuchten. Ihre Reinheit und Detailfreude nimmt umgehend gefangen.

Noch beeindruckender als das kompositorische Wechselspiel ist die Stimmbeherrschung des 75-jährigen. Gekonnt passt er seine Stimme, die Artikulation an die Intention der Titel an. Mal umgibt sie eine berührende Ruhe, die Reife und Erfahrung zeigt, dann wieder strahlt die in die Jahre gekommene, eng und kehlig wirkende Stimme beinahe betörend elegant. Immer jedoch schwingt eine zarte Melancholie mit – vielleicht die Träne des Abschieds, bezeichnet doch Campbell dieses Album als sein letztes.

Klanglich schwankt das Album zwischen oberem Mittelmaß und Stücken in prachtvoller Eleganz. Hier und da wurde tontechnisch getrickst – was aber gut gelang. Wir haben es nicht mit einer aufs Wesentliche reduzierten Einspielung zu tun; Campbell gelang jedoch der Spagat zwischen einer bunten Vielfalt an Instrumenten einerseits und deren intelligent gewähltem Einsatz. Die einzelnen Titel gehen zuweilen fließend ineinander über, verbunden durch kleine Zwischenstücke unter einer Minute Laufzeit, die absolut überraschen – kleine Perlen, die dem Gesamtwerk den besonderen Glanz verleihen.

So ist „Ghost on a Canvas“ ein klanglich gutes, musikalisch aber herausragendes Album eines besonderen Künstlers. Für Analog-Freunde: Die LP-Pressung hätte besser ausfallen können. ki

 


28.09.2012

Calexico | Algiers | Universal

Calexico | Algiers | Universal

AUDIO PHYSIC-Freund Thomas Sobottka empfiehlt „Algiers“ von Calexico – am besten als Vinyl oder Deluxe-Edition.

Kaum zu fassen, dass es nach dem unglaublich schönen "Carried To Dust" von 2008 noch eine wirkliche Steigerung geben kann: Den Herren Burns und Convertino ist es mit "Algiers" tatsächlich gelungen. Allerfeinstes im Schnittpunkt Pop/Rock/Mariachi/TexMex/Desert-Rock...ja sogar Jazz! – schwer zu beschreiben, nur zu "erhören" und genießen!

Da zudem auch klanglich sehr fein ausbalanciert, kraftvoll und im nächsten Song intim, am besten natürlich von Vinyl. Und wer davon nicht genug bekommen kann: "Spiritoso", die Boni-CD der DeLuxe-Edition bringt neue und ältere Calexico-Kracher live in symphonischem Gewand – groß, großartig im wahrsten Sinne des Wortes.

 


 09.09.2012

Joe Jackson | The Duke | Ear-Music

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats September

Joe Jackson | The Duke | Ear-Music

Joe Jackson ist ein Chamäleon, ein Phänomen, wie es selten in der schnelllebigen Musikbranche anzutreffen ist. Pop, Rock, Funk, Jazz oder Blues – Jackson bewegt sich seit mehr als 30 Jahren auf jedem Parkett souverän. Ihm gelingt das großartige Kunststück sich mit jedem Album neu zu erfinden, keines beackert die Pfade des vorangegangenen Werks. So erntet er keine Chartpositionen, dafür Liebhaber, die seine anspruchsvolle, bisweilen eigenwillige Art schätzen und nach jedem neuen Album gieren. Mit „The Duke“ wagt er sich jetzt wieder auf neues Terrain, spielt Titel des Großmeisters Duke Ellington, dem er das Album widmet. Jackson bewundert Ellington und zeigt wie dieser keine Scheu vor großen Namen, wenngleich Respekt.

Jackson imitiert die Werke Ellingtons auch nicht, er erarbeitet sie neu, entfacht ihren zeitlosen Geist, haucht ihnen elegante, neuzeitliche Frische ein. Dazu lud der Künstler eine Reihe namhafter Kollegen ins Studio, wie beispielsweise Iggy Pop, Sussan Deyhim, Regina Carter und viele mehr. Konsequent verzichtet Jackson in den Stücken auf Bläser. Mit dem selbst auferlegten Diktat befreit er sich, ist in der Lage eigene Akzente zu setzen, um seinen Stil einzubringen und den persönlichen Duktus zu setzen.

So ist das Album mehr als ein Transfer der Musik des Duke in das neue Jahrtausend. Das Album strahlt selbst in den sehr ruhigen Stücken Charme aus, wirkt ungemein filigran, um in Tracks wie „Rockin´In Rhythm“ mit Ahmir Thompson bunt, funkig, ja schon feurig echte Freude an und Liebe zur Musik zu zeigen. Musikalisch und klangtechnisch ein hervorragendes Album, das in guten Sammlungen nicht fehlen sollte. Für Jackson-Fans ist es Pflicht. Die LP überzeugt durch saubere Pressung und äußerst niedriges Grundrauschen. ki

 


 05.08.2012

Neil Diamond | The Bang Years | Sony

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats August

 

Neil Diamond | The Bang Years | Sony

Ein Stück Musik von Hand gemacht – so forderte es einmal, zu späterer Zeit, Reinhard Mey musikalisch ein. Im vorliegenden Fall sind es gleich 23 Stücke und was den Ausnahmekünstler Neil Diamond bei aller unterschiedlicher Historie mit Reinhard Mey verbindet ist, dass er seine Musik selbst schreibt.

Bedienen sich hier und da Interpreten an Meys Texten, tat und tut es an Diamonds Texten und Melodien das Who is Who der Musikbranche. Eine stattliche Anzahl der renommiertesten Künstler eroberte mit seinen Stücken weltweit die Charts und Herzen die Herzen der Musikliebhaber. „Solitary Man“, ergreifend interpretiert durch Johnny Cash sei nur ein Beispiel. Insbesondere jüngere Menschen werden sich wahrscheinlich, wie ich, wundern, wie viele unserem Ohr wohl bekannte Melodien und Stücke ursprünglich aus Geist und Feder Neil Diamonds entstammen. Dabei sind auf dem Album „The Bang Years“ gerade einmal zwei Jahre der Schaffensphase des Künstlers konzentriert. In dieser kreativen Phase schrieb Diamond neben „Solitary Man“ Stücke wie „I Am Believer“, „La Bamba“, „Hanky Panky“ oder „The Long Way Home“. Sie alle finden sich neben vielen weiteren Pretiosen auf „The Bang Years“. Ähnlich wie einige deutsche Aufnahmen aus den endenden Sechzigern überrascht das Album mit einem zwar nüchternen, aber beeindruckend sauberem und offenem Klanggefüge. Die Stücke tönen wenig opulent, dafür klar und bewegend. Nur zwei Beispiele: „Shilo“ erzählt nicht nur von stürmischen Episoden, sondern klingt auch so; packend, gibt einen Takt vor, dem man sich nicht entziehen will. „You Got To Me“ tönt flott, nicht hektisch, mit einem genial ineinandergreifenden Spiel der Instrumente bis hin zur Mundharmonika. Hier lebt die Musik, blüht, verströmt die Lebensfreude und Energie der Sechziger. Die Einspielungen sind dynamisch, frisch, nicht üppig wie Aufnahmen der Neuzeit, was durchaus angenehm auffällt. Nicht zuletzt dadurch sind einzelne Schallquellen klar umrissen und beliebig verfolgbar. Sie müssen sich nicht unter einem dicht beflorten Soundteppich hervorkämpfen.

„The Bang Years“ sind eine unwiderstehliche Einladung in eine faszinierende Reise durch Zeit und Emotion der bunten Sechziger – und am Ende mag man sich fragen: Warum wurde Musik nie wieder so ergreifend handgemacht?

Die besonders zu empfehlende LP (Doppelalbum) überzeugt mit erstklassiger Pressung und einem vorbildlich informativem Inlet. ki

 


 02.07.2012

Mozart Klavierkonzerte 20 & 21 | Jan Liesicki | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Juli

 

Mozart Klavierkonzerte 20 & 21 | Jan Liesicki | Universal

Wenn junge Talente plötzlich in den Fokus des Interesses rücken, führt das sehr schnell zu einer Polarisierung und zu aufwallenden Gemütern. Jan Lisiecki macht hier keine Ausnahme, mit gerade 17 Jahren wird er von vielen als Jahrhundert-Künstler gehandelt – in erster Linie von der Musikindustrie. Dennoch ist es lohnenswert, sich dieser Einspielung der Klavierkonzerte 20 & 21 von Mozart mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Ägide von Christian Zacharias vorbehaltlos zu nähern. Was sich dann offenbart, ist eine gelungene Aufnahme mit einem Pianisten, dessen Stärken in souveräner Gelassenheit und sprichwörtlichem Feinsinn liegen. Es macht Freude, diese Aufnahme zu genießen, die wundervoll seidig, fast sahnig klingt. Leichtigkeit und Finesse im Zusammenspiel mit der akkuraten und lebendigen Spielweise lassen die Zeit wie im Flug vorbeihuschen. Gewiss gibt es Pianisten, die mehr Reife an den Tag legen, das Werk Mozarts mit einem entscheidenden Quäntchen mehr Tiefgang untermauern; doch lauert dabei stets die Gefahr einer höchst eigenen Interpretation und Charakterisierung. Es ist das Verdienst Lisieckis, dass er genau dieser Versuchung nicht erliegt. Dazu wäre er wahrlich zu jung. Kein Jahrhundertwerk, nichts desto weniger ergreifend schöne Musik in makellosem Klanggefüge, die zum genussvoll entspannten Verweilen an schönen Sommerabenden einlädt. ki

 


 03.06.2012

Harry Nilsson | A little touch of Schmilsson in the Night | Sony

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Juni

Harry Nilsson | A little touch of Schmilsson in the Night | Sony

Würden Sie bei dem Herrn auf dem Titel ein Auto kaufen? Harry Nilsson wirkt da schon ein bisschen schnodderig und ich wäre nicht auf die Idee gekommen, mich intensiver mit dem Album und dem Künstler auseinanderzusetzen. Ein Segen, dass ich einen mehr als bewanderten Fachhändler habe, dem es stets gelingt, mir immer wieder ein Juwel anzudienen. Ich kaufte die Scheibe neben einigen anderen von Quincy Jones, Frank Sinatra und Perfume Genius „blind“. Und welch Überraschung, von allen Alben ist „A little touch of Schmilsson in the Night“ das intensivste und überraschendste zugleich. Zeitlich lag ich nicht falsch, Nilsson erscheint zwar wie ein wilder 68er, der die Zeit überdauerte. Doch ist die Art „wie“ er die Songs auf dem im Sommer 1973 erstmals veröffentlichten Album präsentiert völlig anders und entspräche eher einem herauspolierten Dandy, der jedoch nie mit diesem Tiefgang aufwarten würde. Nilssons Stimme ist nicht rau, nicht rauchig, viel eher ist sie hell, strahlt voller Klarheit und Ausdruck.

Nilsson singt Stücke von Bob Cole, Irving Berlin, Herman Hupfeld oder Sylvia Fine und vielen anderen. Seine Interpretationen, begleitet von einem Orchester unter der Leitung von Gordon Jenkins, blühen wie die reine Süße des Lebens. Fein, vollendet, farbenprächtig und intelligent – ohne jenes klebrige Element, das Interpreten oft anhaftet, wenn sie sich Stücken annehmen, die bereits andere große Künstler, wie beispielsweise Nat Cole, erfolgreich umsetzten. Ob „Lazy Moon“, „Lullaby in Ragtime“ oder der Klassiker „As Time Goes By“, Nilssons honiggoldener Gesang verleiht jedem Stück eine so nicht gekannte Leichtigkeit und Finesse, ohne je seicht zu wirken. Im Gegenteil, es gelingt dem Künstler, im kongenialen Wechselspiel mit der auf den Punkt genau eingesetzten Instrumentierung des Orchesters, einen prickelnden Spannungsbogen zu erzeugen. Alles erscheint so einfach, so simpel und selbstverständlich wie schimmernder Tau an einem frühen Sommermorgen – genau hierin liegt die Kunst, die Verführung.

Nilsson macht mit seinem einfühlsamen, emotional unglaublich dichten und zugleich glasklaren Gesang aus Ohrwürmern filigrane Kunstwerke. Ein grandioses Album, produziert von einem grandiosen Derek Taylor mit Harry Nilsson in Bestform – klanglich herausragend und in der hochwertigen Vinylpressung noch besser, ein audiophiles Juwel, wie es nur wenige gibt. Wundervoll zeitlose Melodien dargeboten von einem begnadeten Künstler, der viel zu früh verstorben ist. (ki)

 


29.05.2012

Bee Gees | Greatest Hits The Record | Warner

Bee Gees | Greatest Hits The Record | Warner

Zweihundert Millionen verkaufter Alben sprechen eine klare Sprache. Die Beegees stehen in der Rangliste der anerkanntesten Musiker ganz weit oben. Erfolg hatten sie bereits als Teenager, dabei sahen sie sich selbst stets viel mehr als Komponisten denn als Interpreten. So haben wir Melodien vieler Weltstars im Ohr, die aus der Feder der Gebrüder Gibb stammen. Als treibende Kraft darf man den kürzlich verstorbenen Robin Gibb betrachten, der wegen seines unglaublichen Stimmumfanges über mehrere Oktaven zum Markenzeichen der Kultband avancierte.

Den Beegees gelang, was den wenigsten Künstlern im Pop/Rock-Segment gelingt; sie hielten sich Jahrzehnte – und ihre Musik wandelte sich, ohne die Ursprünge zu verlieren. Mit Titeln wie „Massachusetts“ oder „Words“ landeten sie 67/68 weltweite Nummer 1-Hits. Ihre große Zeit brach mit der beginnenden Disco-Welle an. Unvergessen Songs wie „Stayin` Alive“, „Night-Fever“ oder die samtweiche Ballade „How Deep Is Your Love?“; dabei hatten die Gebrüder Gibb mit dem grandiosen Erfolg, der sich aus dem von ihnen geschriebenen Soundtrack für den Tanzfilm „Saturday Night Fever“ ergab, nicht einmal gerechnet. Neben ihrem Falsett-Gesang waren zu der Zeit komplexe aber doch sofort eingängige Arrangements ihr Markenzeichen. Wenig später folgten Songs, die die Beegees zusammen mit anderen Künstlern umsetzten wie beispielsweise „Guilty“ mit Barbara Streisand.

Über die Jahre wurde es ruhiger, bis 1987 als sie mit „You Win Again“ erneut einen Chartfeger landeten. Ihre Musik wurde kräftiger, oft von deutlichen tragenden tiefen Tonlagen untermalt, teilweise weniger verspielt. Bis ins neue Jahrtausend gesellten sich weitere Songs dazu und zeigten, dass sich die Gibbs immer wieder neu erfinden konnten; ganz im Stil der gefühlvollen Balladen „For Whom The Bell Tolls“ oder 2000 das ungewöhnlich rockige und enorm vielschichtige „This Is Where I Came In“, das mit einem staubtrockenen Sound wie extremer Dynamik aufwartet. Kritische „S“ und „F“-Laute eignen sich hier ideales Testmaterial für die Lautsprecher, zu Beginn des Titels rate ich, die Lautstärke nicht zu hoch zu wählen.

Klanglich erstrahlen auf der HDCD, die herkömmlichen Einspielungen technisch überlegen ist, auch die älteren Songs in feinem Glanz und mit klarer Durchzeichnung. „This Is Where I Came In“ zählt zu den besten Aufnahmen der Art; beeindruckende Grob- wie Feindynamik in einer Spannweite wie sie sonst nur in klassischen Konzerten zu finden ist. Eine Herkules-Aufgabe für ein HiFi-System, diese Dynamik in vollem Umfang realistisch abzubilden und dabei die komplexen Signale akkurat vom Gesang zu trennen.

„Their Greatest Hits“ ist eine würdige Retrospektive und für alle geeignet, die nicht unbedingt jedes Album der Beegees besitzen möchten. Ihre Musik aber wird jeden von uns einmal im Leben berührt haben, oder es noch tun. Unvergessliche Musik im Wandel der Jahrzehnte in beeindruckender Klangqualität. (ki)

 


22.05.2012

The Planets | Holst | André Previn | inak

The Planets | Holst | André Previn | inak

Eine Empfehlung von Rainer Kamp aus Wuppertal für AUDIO PHYSIC-Freunde

Im Jahr 1986 veröffentlichte Telarc diese Einspielung aus der Watford Town Hall in London. André Previn und das Royal Philharmonic Orchestra fegen mit großer Spielfreude und enormer dynamischer Bandbreite durch die Sternenbilder Gustav Holsts. Freunde von bombastischen Orchesterwerken mit enormem Druck im Tieftonbereich kommen hier auf ihre Kosten. Aufgenommen wurde komplett digital mit einem modifizierten Sony PCM 1610 Recorder unter Verwendung von Schoeps MK-2 und MK-4 Mikrofonen.

 


 13.05.2012

Patrick Wolf | Lupercalia | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Mai

Patrick Wolf | Lupercalia | Universal

Der junge Londoner Patrick Wolf zählt gewiss zu den extrovertierteren Künstlern. Was er bisher mit Effekt heischenden Auftritten und Outfits unterstrich, findet in seiner Musik einen expressionistische Fortsetzung.

Doch ist Wolf ist kein massentaugliches Pop-Idol. Seine Musik komponiert er selbst, beherrscht gleich mehrere Instrumente. „Lupercalia“ ist dennoch ein Album, das seine Musik einer breiteren Zielgruppe zugänglich macht. Hier verlässt der Brite die ganz experimentellen Pfade, auch sind seine Songs nicht mehr so dunkel und melancholisch wie in früheren Werken. Viel mehr scheint eine neue Zeit zu beginnen, die Titel, die Melodien sind eingängig. Doch genau wenn man glaubt, sie verfestigen sich im Ohr, hat der Künstler schon eine Wendung parat. Was dem ersten Anschein nach berechenbar wirkt, fasziniert mit einem prallen Reichtum an Facetten. Selbst die ruhigeren Stücke wie „Slow Motion“ oder „William“ glänzen farbenprächtig wie Edelsteine, laden zum Verweilen und Träumen. Sie wirken mit Tiefe ohne Melancholie.

Die Mehrzahl der Tracks jedoch nimmt den geneigten Hörer mit Kraft und positiver Energie gefangen. Hier paart sich echte Freude mit Können. Besonders „The City“, „House“ und „Together“ sind hier zu nennen, faszinieren durch pfiffige Arrangements und Tempo. Wolfs Gesang bleibt selbst in den stark instrumentierten Stücken klar, ausdrucksstark und dominant. Alles andere als alltäglich.

Ein beeindruckendes Werk, das sich vielen Einflüssen offen zeigt, so erinnern mich nicht wenige Passagen an die feinsinnige musikalische Welt eines Yann Tierssen, andere sind klar dem Electro-Pop zuzuschreiben. Doch wer glaubt, Wolf bediene sich geschickt anderer, irrt. Seine Musik bleibt eigenständig, voller Ideen und Finesse. Wolf ist tatsächlich ein Künstler, dem es gelingt sich neu zu erfinden und sich dabei treu bleibt. Einmal mehr lohnt sich der Kauf der LP, Klangfarben kommen hier satter, die Stimme greifbarer als via CD. (ki)

 


 02.04.2012

Billy Idol | Storytellers | EMI

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats April

Billy Idol | Storytellers | EMI

Nicht alles, was älter wird, wird auch besser. Im Gegenteil; gerade einige Musiker haben sich offenbar selbst überlebt, bemerken es nicht und wagen sich mit ihren alten Hits zwanzig Jahre später auf die Bühne, und geben eine mehr als traurige Figur ab.

Ich gestehe, dass ich im vorliegenden Fall skeptisch war. Doch was Billy Idol mit „Storytellers“ abliefert, hat mit gebrechlichem Gekrächze so gar nichts zu tun. Idol scheint nicht gealtert, sondern nur gereift, im besten Sinne. Er rockt hier (live), was das Zeug hält – stünde der junge, wilde Billy aus den Achtzigern daneben, würde der ganz schön alt aussehen.

Auf „Storytellers“ erleben wir den Künstler auf kleineren Bühnen in Begleitung akustischer Instrumente. Seine Stimme steht also viel stärker im Fokus als bei früheren Studioproduktionen. Und das zeigt einen deutlich ausdrucksstärkeren und wahrlich nicht gezähmten Sänger. Idol hat keineswegs verlernt, diesen speziellen bubenhaften und zuweilen anzüglichen Charme spielen zu lassen. Ehe man sich versieht, dreht man die Lautstärke höher und höher (Vorsicht). Die Musik strahlt eine so unfassbare Energie aus, ist so zwingend; da wippen nach Sekunden die Beine, schnippen die Finger.

Ob „Dancing With Myself“, „Rebell Yell“, ja sogar „Sweet Sixteen“ (ungemein gefühlvoll und klanglich erstklassig!) – Stücke, die man früher vielleicht ganz gut fand, wandeln sich plötzlich zu einer kleinen Kostbarkeit, die mehr ist als eine Erinnerung. So werden Melodien zu Klassikern. Eine uneingeschränkte Empfehlung, ein Muss. (ki)

 


 06.03.2012

Wrecking Ball | Bruce Springsteen | Sony

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats März

Wrecking Ball | Bruce Springsteen | Sony

Der Titel „Wrecking Ball“, was soviel bedeutet wie Abrissbirne, erscheint martialisch. So zerstörerisch kommt Springsteens neues Album aber nicht rüber; auch wenn der „Boss“ einmal mehr gesellschaftskritisch eindeutige Worte findet und klar Position bezieht. Ist bequem als gesetzter Plattenmillionär, mag man meinen, doch so einfach funktioniert Springsteen nicht. Das Thema Gerechtigkeit war und ist ihm wichtig – in Wrecking Ball vielleicht wichtiger denn je. So lässt er musikalisch die Abrissbirne außen vor, verpackt seine Botschaften in ein ungewöhnlich weit gespanntes akustisches Spektrum. Mal tragend, wie perfekt ausbalancierte Wogen, in „This Depression“, dann rhythmisch federnd wie in „We Are Alive“ oder in Springsteen-typischen Hymnen in „We Take Care Of Our Own“. Verlernt hat er nichts, er wirkt teilweise frischer als auf manch vorangegangenem Album. Seine Missbilligung gesellschaftlicher Zustände bringt ihm eine ordentliche Portion jugendlichen Elans, besonders in „Death To My Hometown“. Ein weiteres Highlight ist „Land Of Hope And Dreams“; musikalisch tut sich hier ein sehr komplexer Kosmos auf, rockig aber mit feinen, gefühlvollen Einlagen ausgeschmückt.

Klanglich ist das Album uneinheitlich, was in diesem Fall nicht einer gewissen Spannung entbehrt. Denn einzelne Spuren wurden im Studio offensichtlich so klar und präzise eingespielt, dass Gedanken an HD-Equipment auf der Hand liegen, andere dagegen tönen ausgequetscht und fahl wie niederstes MP3-Niveau – beides fügt der Tonmeister nach gusto zusammen, je nach Track zeitgleich, was über eine erstklassige Wiedergabekette sofort erkennbar wird. Ein interessantes Stilmittel, das nicht stört, sondern viel mehr der inhaltlichen Aussage – es gibt immer auch eine düstere Seite – Nachdruck verleiht. Eine ähnliche Handschrift trägt „We Are Alive“, das mit vertrautem Rillenknacksen abgenudelter Vinylscheiben startet. Apropos Vinyl: Die Analogplatte kommt als 180gr-Pressung und klingt farbiger als auch räumlich homogener als die CD. Hier lohnt es sich zuzugreifen, da die CD der Doppel-LP gleich beiliegt. (ki)

 


 06.02.2012

Chet Baker | Chet Baker Sings | inakustik

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Februar

Chet Baker | Chet Baker Sings | inakustik

Aus Neugier, ich hatte Gershwins „But Not For Me“ noch in der famosen Interpretation der jungen Nana Mouskouri, produziert von Quincy Jones im Ohr, startete ich die LP mit der B-Seite, eben mit „But Not For Me“, gesungen vom jungen Chet Baker. Ein leicht frustrierendes Ereignis nach dem druckvollen, klar artikulierten Gesang der Mouskouri. Doch sind junge Künstler, Ausnahmetalente, zuweilen etwas schnöselig, dachte ich. Und Baker, viel eher bekannt für sein virtuoses Spiel auf der Trompete, war gewiss ein wenig exzentrisch. „Time After Time“ kam prompt ebenso distanziert und ich wollte die LP schon zur Seite legen; doch ab diesem Punkt lichtete sich der Schleier, das Ausnahmetalent hatte sich offensichtlich zuvor nur aufgewärmt. Fortan brilliert der Künstler mit einer ungemein zarten, fast zerbrechlich erscheinenden Stimme. Instrumente, außer Bakers eigenem Spiel, bleiben überwiegend verhalten im Hintergrund. Und doch entsteht ein harmonisches Wechselspiel zwischen den Akteuren. Selten wird die Wirkung von Pausen in der Musik so deutlich, so elementar wichtig wie hier. Es ist, als dränge einen die Scheibe zur inneren Ruhe, einem angenehmen Zustand der Ausgeglichenheit. Lässt man es zu, zieht Baker den geneigten Hörer einem Kreisel gleich weiter und weiter in einen, in seinen, musikalischen Kosmos voll pastellener Klangfarben. Plötzlich wird einem bewusst, wie genau, wie treffsicher die Arrangements ausgeführt sind, Instrumente und Stimme zu einem großen Ganzen verschmelzen. Überaus beeindruckend sind gerade die sehr leisen Vibrato-Töne Bakers, so virtuos und vielfältig, dass sie fast hypnotisch wirken.

Insgesamt ein famoses Album, das in seiner Ruhe und mit den vielschichtigen aber unaufdringlichen Facetten einen Kontrapunkt zur hektischen Gegenwart setzt. Auch klanglich gibt sich die Einspielung dezent, wirkt mehr durch das gelungene Miteinander der hervorragenden Musiker als durch analytische Präsenz. (ki)

 


25.01.2012

The Union | Elton John & Leon Russel | Universal

The Union | Elton John & Leon Russel | Universal

Elton John lässt sich ungern in Schubladen pressen, ebenso gilt das für den famosen Leon Russel. Fast 70 Jahre und stets hochkreativ. Das Album „The Union“ führt zwei Ausnahme-Musiker zusammen, die nicht unbedingt für identische Stile stehen. Tun sich Musiker unterschiedlicher Richtungen zusammen, geht das regelmäßig schief. Hier jedoch befruchtet sich die Kreativität gegenseitig.

Wenngleich spärlich instrumentiert, klingt das Album opulent. Hierfür sorgen die üppigen, doch nie übertriebenen Drum-Einsätze in nahezu allen Stücken. Die Stimmen der Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Elton John füllig, sonor, je nach Stück weich, samtig in satten Klangfarben; Leon Russel spitz, kehlig, fast brüchig – genau dieser Kontrast verleiht dem Gesang des Mutlitalents aus Oklahoma, seine anregende Würze.

Durchweg klingt das Album eher dunkel, nicht düster; viele Songs bedächtig, doch nie träge. Die Musiker verstehen es, Pausen zu setzen. Elton John präsentiert sich in Höchstform, Leon Russel fasziniert durch die Vielschichtigkeit seiner Stimme. Eh man sich versieht, hört man die Scheibe, die auch als LP erhältlich ist, wieder und wieder. Kein Ohrwurmeffekt, viel mehr ein beispiellos gelungenes Album. Die LP lege ich Ihnen besonders ans Herz. Die zarten Schattierungen wirken lebendiger, Bässe zwingender, Klangfarben kontrastreicher und leuchtender.

Lautsprecher stehen vor einer großen Herausforderung. Nicht zwingend im grobdynamischen Sinn; vielmehr in Sachen Musikalität. Verstehen sie es nicht, die Pausen in der Musik eins zu eins umzusetzen, verliert die Musik ihren Charme. Es klingt dann zwar angenehm, doch beiläufig. Diese Einspielung jedoch ist alles andere als beiläufig. (ki)

 


 03.01.2012

Pottersville | Pothead | Janitor Records

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Januar

Pottersville | Pothead | Janitor Records

Die Böller sind verschossen und die besinnlichen Tage liegen hinter uns. Genau die richtige Zeit für echten, handgemachten Rock, um musikalisch volle Fahrt aufzunehmen. Passend strotzt das aktuelle Album „Pottersville“, der zur Kulttruppe avancierenden Formation Pothead, vor Energie, widmet sich gleichwohl aber auch sanfteren Tönen.

„C'mon on“ und „Can Go“ starten funkig, mit flottem Rhythmus und griffigen Riffs. Jeffs und Brads Gesang bilden einen beinahe leuchtenden Kontrast zum eher dunklen Gitarren- und Schlagzeugspiel. „Stand“ legt an Schlagkraft ein ordentliches Brikett nach, rockt, groovt satt drauf los und steigert schlagartig den Blutdruck – als wolle es die passende Stimmung und den Weg für den hymnenhaften Einstieg in das schwarze „Rock On. Let´s Rock“bereiten. Hier sind Pothead in ihrem Element. Pulsierende, knochentrockene Basswogen bilden das Fundament, auf dem sich die beiden Sänger sichtlich wohlfühlen und austoben. Ihr spielerischer Wechsel zwischen fast stakkatoartigem, hartem Sprechgesang und weichen Falsett-Tönen, spreizt den musikalischen Spannungsbogen weit auf. Live dürfte das Auditorium völlig aus dem Häuschen geraten. Direkt im Anschluss zeigen die Wahlberliner, dass sie Kunst der stilvollen Ballade nicht minder beherrschen („Love In A Way“). Gesang und sanftes Gitarrenspiel stehen im Fokus, Bässe fügen sich anheimelnd dazu in ein klangfarbenbetontes, samtiges Bild. In „About The Word“ brillieren Jeff und Brad mit leuchtenden Falsett-Stimmen, akustisch reich, aber nicht zu üppig garniert – ein echter Ohrenschmeichler, fern jeder Ohrwurm-Misskultur. „Atomic“ rockt wieder, ohne auf Tempo zu setzen. Viel mehr bilden hier Rhythmus und Gesang ein nahezu mathematisch präzises Korsett, das einen ganz besonderen Reiz besitzt. „Brunhilda“ dagegen klingt angenehm verspielt, rund, öffnet sich Einflüssen des Blues, um sogleich vom knackigen „Digitus Infamis“ abgelöst zu werden. Hier brummeln die Gitarren wie der sonore Antrieb eines Ford-Mustang. Geballte, vibrierende Power, stets im Zaum gehalten. Alleine das Wissen um die Kraft versetzt den Zuhörer in Schwingung. „Sky Fallin In“ und „All Fishers“ führen diese Linie konzentriert fort. Gemächlich, doch nie behäbig. „Relax Man“ greift wieder tiefer in den Basskeller, groovt satt mit schmetternden Riffs, bevor „Little Dipper“ ein beinahe süßes Ende einläutet. Eine filigrane Ballade, akustisch wundervoll ausgeschmückt – und gerade über hoch auflösende Lautsprecher ein Hochgenuss. Insgesamt klingt Pottersville auffallend gut, ohne effekthascherisch zu blenden; sehr aufgeräumt, tendenziell eher dunkel und trocken. Keinerlei bissige Härten oder scharfe, überzogene Höhen wie sie vielen Rock-Einspielungen anhaften, auch verengt sich das Klangbild in komplexen Passagen nicht. Die hochwertige 180-Gramm Vinylpressung lege ich Ihnen besonders ans Herz, sie wirkt beschwingter und macht einfach noch mehr Spaß. (ki)

 


05.12.2011

Franz-Josef Degenhardt | Stationen | Universal

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Dezember

Franz-Josef Degenhardt | Stationen | Universal

Unser Musiktipp des Monats widmet sich einem Liedermacher aus dem Ruhrgebiet. Der kürzlich verstorbene Franz-Josef Degenhardt war nie stromlinienförmig, viel eher Querdenker bis Querulant. In seinen Liedern setzte er sich mit den kleinen und kleinsten Banalitäten des Alltags auseinander („PT aus Arizona“), sezierte die Grundlagen und Zusammenhänge und setzte sie verspielt ironisch in seinen Texten um. Sein Durchbruch gelang ihm mit „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“. Gesellschaftskritische Töne und ein klares Bekenntnis zur politischen Linken waren sein Markenzeichen. Mahnend untersuchte er die Strukturen der Nach-NS-Zeit, legte offen, wie sich in den 50er und 60er Jahren Seilschaften aus alten Tagen neu etablierten, und kämpfte für Schwachen in unserer Gesellschaft („Väterchen Franz“, „Wenn der Senator erzählt“, „Vatis Argumente“). So haben viele seiner Titel heute wieder unschöne Aktualität erlangt. „Stationen“ gibt einen tiefen Einblick und breiten Überblick über das Schaffen Degenhardts über zwei Jahrzehnte. Sein gewandtes Spiel mit Worten, seine Gabe, ernsteste Themen leise und doch mit spitzer Zunge anzugehen ist einzigartig und wurde Vorbild für andere Musiker des Genres. Degenhardt gelingt es bei aller tiefen Intensität seiner Songs stets, ein Schmunzeln auf das Gesicht der Zuhörer zu zaubern. Schon daher ist „Stationen“ ein Juwel. Die Stücke kommen überwiegend in sehr ordentlichem Sound daher, enorm aufgeräumt, mit binnendynamischen fein ziselierten Strukturen (Gitarre) und einem breiten Bouquet an pastellenen Klangfarben. Man sieht den Musiker förmlich im Raum vor sich sitzen, die Gitarre vor dem Wanst und freudig vor sich hin nuschelnd. Den Stücken werden Sie gewiss mehr als einmal lauschen, immer wieder offenbaren sie Neues, es ist eine wahre Freude dem virtuosen Zusammenspiel von Worten, Wendungen, Phrasierungen und Sprachbildern zu folgen. Musik ohne Filter, klanglich filigran und inhaltlich brillant. Lautsprecher, die in den Mitten Schwächen zeigen, undurchsichtig sind, Details unterschlagen, lassen die Musik grau oder gar belanglos erscheinen. Exzellent auflösende Speaker nehmen den Zuhörer mit auf eine spannende Entdeckungsreise in den Degenhardts musikalischen und politischen Kosmos. Nicht nur an langen Winterabenden ein Genuss. Sollte Ihnen das Album oder auch „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ in gut erhaltenem Zustand als Vinyl begegnen, unbedingt zugreifen. (ki)

 


05.12.2011

Peter Gabriel | New Blood | EMI

Peter Gabriel | New Blood | EMI

AUDIO PHYSIC-Freund Rainer Kamp empfiehlt das aktuelle Gabriel-Album „New Blood“: „Alte Hits von Gabriel mit klassischen Instrumenten neu arrangiert. Beim ersten Lesen dachte ich naja... bis ich die CD gehört habe!“

 


 15.11.2011

Deacon Blue | Raintown | Sony

Deacon Blue | Raintown | Sony

Die kühle Jahreszeit verführt zu intensiven und entspannenden Hör-Abenden. Passend dazu empfehlen wir ein bereits älteres aber zeitlos zu nennendes Album der Formation Deacon Blue. „Raintown“ beschert wunderschöne Hörmomente mit sanften, kunstvoll ausgestalteten Pop-Songs. Ob schnellere Stücke oder melancholische Balladen, stets steht die charismatische Stimme des Leadsängers im Fokus. Sie bildet das tragende Element und den Spannungsbogen der Titel.

Das wundervolle „He Looks Like Spencer Tracy Now“ beginnt karg instrumentiert, Tonfolgen Farbtupfern gleich, begleiten den weichen und zugleich leuchtenden Gesang. Im Verlauf öffnet sich die Bühne. Tonfolge auf Tonfolge bewegt sich die Musik wie ein Florteppich, den man ausrollt, weiter in die Tiefe aus. Ein faszinierender Raum tut sich auf. Rauchig, beinahe kernig kommt dann der Gesang in „When Will You Make my Telephone Ring“ rüber, blüht geradezu durch ein breitgefächertes Bouquet an Klangfarben.

Mit „Dignity“ eroberte das Sextett 1987 auch deutsche Charts. Ein breitentauglicher Ohrwurm mit pfiffigen Arrangements, der kaum Gefahr läuft ins Belanglose zu driften.

Weiteres Highlight: „Town To Be Blamed“, das mit einer emotional angespannten Atmosphäre startet und durch ein dynamisches Wechselspiel zwischen fast geflüsterten Passagen und dem knackigen Refrain regelrecht pulsiert. Mal tönt die Stimme zerbrechlich, rau wie feinstes Sandpapier, dann kräftig, kehlig, fast anklagend. Der Titel schwingt so allmählich aus, wie die Wellen, die ein ins Wasser geworfener Stein hinterlässt. Auch „Riches“ lebt vom Gesang des Leadsängers und der Strahlkraft der Background-Vocals (tolle Stimme!). Diese leuchten regelrecht und bilden so einen starken Kontrast zu den stählernen E-Piano-Lagen.

Deacon Blue liefern hier Pop in Bestform. Die Neuauflage als „Legacy-Edition“ bringt noch eine zweite Disc mit Live-Tracks mit. Klanglich bewegt sich „Raintown“ auf einem sehr hohen Niveau. Sollen die faszinierend zarten Facetten und Nuancierungen, die einen unnachahmlichen Reiz ausüben und von denen diese Musik lebt, voll zur Geltung kommen, fordert das Lautsprechern Höchstleistungen ab. Eine fantastische Spielwiese für die Fähigkeiten unserer Hyper-Holographic-Cone-Töner. Vergleichen Sie einmal... (ki)

 


 07.11.2011

Dusty Springfield | Brian Eno

Dusty Springfield | Dusty In Memphis | Universal

Brian Eno & David Burne | My Life In The Bush Of Ghosts | EMI

Tchaikovsky | Ouverture 1812 | Cincinnatti Orchestra (1979)

Gleich drei musikalische Highlights unterschiedlicher Stilrichtungen empfiehlt Herr Besselink aus Apeldoorn. Wir wünschen allen AUDIO PHYSIC-Freunden viel Freude damit.

 


 01.11.2011

Helene Grimaud | Chopin, Rachmaninov

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats November

Chopin (Piano Son. 2), Rachmaninoff (Piano Son. 2)
Hélène Grimaud | DG Universal

Tod und Transzendenz waren für Hélène Grimaud das Thema und letztlich der Grund, Chopin und Rachmaninoff auf einem Album zu einen. Themen, mit denen wir uns weniger gern auseinandersetzen; zumindest sprachlich. Doch fasziniert der Tod, und in der Musik lassen wir Gedanken zu, die wir sonst scheuen. So ist Grimauds Spiel eine spezielle Art der Bewältigung, nicht im psychologischen Sinne. Das spürt, wer ihre Interpretation Chopins Piano Sonate 2 hört. Ihr Spiel ist lebendig, selbst die ruhigen Passagen nicht tragend, sondern filigran, sie erschafft eine Farbenwelt, die ich ihrerseits als transzendental bezeichne: gleißend hell, teilweise blendend. So wirkt manch Anschlag wie ein kurzer Blick direkt ins Sonnenlicht – hält bei geschlossenen Augen an und wechselt in beinahe neongrüne Tupfer. Der Trauermarsch in sich schwillt an, aber weniger düster und bedrohlich als pulsierend druckvoll, so als wolle „Leben“ aus einer bestehenden Form in eine andere wechseln. Hier ist Kraft das herrschende Element, eine nach vorne „ins Licht“ gerichtete Intensität mit enormer Dynamik. Kein leichtes Unterfangen selbst für ausgewachsene Lautsprecher dynamisch Schritt zu halten und die brillantengleich zart glitzernden Schattierungen nicht farblich gleichzuschalten. Hier ist höchstes Auflösungsvermögen gefragt, besonders in den Mitten und im Präsenzbereich.

Den Bogen zu Rachmaninoffs Piano Sonate No. 2 zieht Grimaud elegant, inhaltlich wie spielerisch. Ihr Spiel scheint nun dichter, gewichtiger, jedoch ohne an Leichtfüßigkeit zu verlieren. Das berührt. Es ist, als hätte sie einem Maler gleich die Palette getauscht, womit sie nun weichere Bilder erzeugt. Immer noch leuchtend, jetzt eher gelbrötliche, violette Töne, der Farbenpracht eines abendlichen, klaren Horizontes im Spätherbst ähnlich. Dazu gesellen sich abrupte Tempiwechsel, die einmal mehr das lebendige Element und die Aura des Lichts unterstreichen. So schwer und so intensiv die Musik, die Thematik – ehe man sich versieht, endet die Disc. Gerade so, als sei die Spanne des Lebens ein Augenblick. Grandios.

Eine Darbietung, die der Ausnahme-Künstlerin entspricht. Zusammenstellung und Spiel Grimauds werden daher nicht jeden ansprechen. Ihr energiegeladenes, ja teilweise nonchalantes Spiel wird manchen kühl und extrovertiert erscheinen. Andere wird genau das ansprechen. Ungebremst scheinen ihre Gedanken in ihr behändes, bisweilen stürmisches Spiel (Rachmaninoff) einzufließen, ja es vollkommen zu beherrschen. Klanglich auf hohem Niveau ist die Aufnahme ein Muss für alle Grimaud-Fans und ein Hochgenuss für alle Liebhaber eines akkuraten Spieles, das nur ein Künstler dieses Formats gleichwohl mit entfesselter Emotion in Einklang bringt. (ki)

 


 28.10.2011

Pink Floyd | Animals

Pink Floyd | Animals | EMI

Animals reiht sich nicht nahtlos an die vorangegangenen Floyd-Alben „Dark Side Of The Moon“ und „Wish You Where Here“; Animals ist kantiger, rauer, wirkt auf konkrete Weise bedrohlicher – der gedankliche Sprung zu George Orwells' „Farm der Tiere“ liegt zum Greifen nah. Es geht Waters in Animals weniger um Innenwelten, Wahn und Paranoia als um reale, alltägliche Wesensarten des Menschen, die er in drei Typklassen differenziert (Schweine, Hunde, Schafe).

Synthieklänge beherrschen auch Animals über weite Strecken, sie sind aber nicht mehr annähernd so tragend wie in „Dark Side Of The Moon“; Animals ist rockiger, im wahrsten Sinne erdverbunden und überrascht immer wieder mit kreativen Wendungen.

Das Zauberelixir „Remastering“ sorgt für klingelnde Kassen, tut Alben aber eher selten gut. „Animals“ dagegen gewinnt klanglich deutlich. Kann man bei „Whish You...“ noch streiten, ob man das 2011er Remaster braucht, ist es hier keine Frage. Einzelne Tonspuren sind von Grauschleiern und Rauschfahnen befreit, atmen jetzt frei durch und schon im Intro glänzen die Gitarrensaiten wie frisch aufgezogen.

Mit „Dogs“ fällt ein drastischer Gewinn an Basisbreite auf, ohne dass sich das akustische Zentrum flächig in die Breite zieht. Gilmours Gesang bleibt mittig fixiert, sein Mund wächst nicht zum Walfischmaul. Im Verlauf des Stückes rückt das Gitarrenspiel immer wieder in den Vordergrund. Klanglich so pieksauber, als sei es ein autarkes Ereignis, das dennoch im großen Ganzen eingebunden ist. Dann jaulen Hunde und Waters´ Bassgitarre dröhnend auf –der akustische Raum gibt eine enorme Tiefe frei. Das Ur-Album bleibt vergleichsweise zweidimensional, Ausschwingvorgänge sind nicht präsent. Die weit aufgezogenen Klanggemälde des 2011er Remaster klingen fast nach Surround, aber nicht so unnatürlich, nicht aufgebläht. Mich erinnert es an Waters´„Amused To Death“ mit seinen Q-Sound-Effekten. Überhaupt kommt mir nach so vielen Jahren einiges bekannt vor; kehren nicht Tonfolgen, Sequenzen später ähnlich, aber in anderer Ausrichtung, in Werken Alan Parsons wieder? Eine rhetorische Frage.

„Pigs“ startet quiekend, das Keybord tönt schweinchenrosa, weich, pastellen und hell. Die rotzig gespielte Gitarre bildet einen harten Kontrast. Räumlich nutzt „Pigs“ im Remaster mehr den Raum zwischen den Boxen und davor aus, der Schwerpunkt verlagert sich. Details sind konkreter, das gezielte Spiel mit der Phase wirkt intensiv auf den Zuhörer.

„Sheep“ lebt durch den spielerischen Umgang mit Tempi, Klangfarben und Raum, mal Weitwinkel, mal Makro. Farben kommen mal bunt getupft (Keybord), dann wieder graubraun, erdig oder gleißend hell. Die Spannweite ist gegenüber der Ur-Version bemerkenswert gewachsen.

In seiner Facettenvielfalt in Mitten und Höhen, ist „Animals“ eine wundervolle Spielwiese für die AUDIO PHYSIC HHC-Töner. Sie legen Feinheiten frei, die mit konventionellen Chassis meist verborgen bleiben – ohne sie vordergründig heranzuzoomen.

Mein Fazit: Remaster gelungen, Musik ohnehin „State of the Art“. Und wenn Sie zu den vielen Pink Floyd-Anhängern zählen, die „Animals“ noch nicht im CD-Regal haben, lohnt es sich zuzugreifen. Noch besser zu Vinyl, ein Erfahrungsbericht folgt. Mit dem Abstand der Jahre könnte es gut sein, dass Sie dieses Werk mehr faszinieren wird als manch anderes von Pink Floyd. (ki)

 


 26.10.2011

Pink Floyd | Whish You Where Here

Pink Floyd | Wish You Where Here | EMI

Über die Inhalte, die Musik muss man keine Worte mehr verlieren; „Wish You Where Here“ zählt zu „den“ Alben des Psychodelic-Artrock schlechthin. Erschienen 1975 will das aktuell remasterte Album im Glanz des neuen Jahrtausends daherkommen.

Vom Start weg tönen die Synthieklänge im Vergleich zur Urfassung etwas strahlender, zugleich gelöster, was den Eindruck der virtuellen Räumlichkeit steigert. Die Drums kommen robuster, klarer in den Umrissen, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es in komplexen Sequenzen dynamisch beengt bleibt. Mit Ausnahme des Hochtonbereichs, die Hi-Hats schimmern silbrig und vermitteln jetzt ein wenig den Eindruck räumlicher Höhe.

Track 2 „Welcome To The Machine“ klingt in der ersten Minute gefährlicher, Angst einflößender. Das von der Maschine ausgehende metallische Geräusch, wirbelnden Rotoren gleich, vermittelt das Gefühl eines wachsenden, dunklen Etwas, das sich bedrohlich nähert. Die Gitarrensaiten fühlen sich wie von Mehltau befreit, griffiger, allerdings auch minimal aggressiver, was dem Stück nicht schadet.

Das gilt auch für „Have A Cigar“, was energiegeladener und knackiger rüberkommt. Der Gesang jedoch bleibt hinter einem seidenen Vorhang.

Der Klassiker „Wish You Where Here“ gibt sich jetzt schlackenlos, die Basisbreite reicht weiter und das Gitarrenspiel ist pieksauber in die Mitte genagelt. Sanft überstrichene Saiten klingen, wie es sein muss, sanft, fast anheimelnd; greift Gilmour härter in die Saiten wächst die dynamische Spannweite; das Wechselspiel zwischen lauten und leisen Tönen ist weiter gespreizt, damit dynamischer und packender.

Zum Ende verlieren sich in „Shine On You... / Parts 6-9“ Grundtöne und Mitten ineinander. Es bleibt schwierig den Überblick zu wahren. Auf der anderen Seite, wer braucht den an dieser Stelle? Hier schwebe ich längst in einer anderen Welt...

Insgesamt kein Muss, zumal mich das Pappcover nervt, das nicht so recht zum Preis von derzeit gut 15 Euro passen will. Dennoch ein mehr als nur mit Politur aufgefrischtes Remaster, energiereicher, detailfreudiger. Hier wurde klug und sanft optimiert. Im unteren Bassbereich legt dieses Album an Tiefgang und Präzision sogar nachhaltig zu; ebenfalls gefühlvoll und nicht mit Tamtam. Diesen qualitativen Zugewinn reproduzieren Lautsprecher wie beispielsweise die VIRGO 25 oder die AVANTERA sehr deutlich. Ein Bericht über die neue Vinylpressung folgt in Kürze. (ki)

 


 12.10.2011

Helen Schneider | Working Girl |
edel records

Aus klanglichen Gründen muss ich die Scheibe nicht haben, dachte ich nach einigen Tracks. An den meisten Stücken haben die Toningenieure und ihre Helferlein nichts ausgelassen und so ziemlich alles verbaselt, was möglich war. Und doch finden Sie dieses Album hier als Empfehlung. Das liegt an der Künstlerin Helen Schneider, die hier eine Bandbreite zeigt, wie wir sie von ihr in aller Regel nicht kennen. Und es liegt daran, dass die außergewöhnlichsten Stücke dann klanglich doch gewaltig aufdrehen.

Das Album startet mit Ausflügen in die wilden Zeiten der endenden 70er, die Schneider begleitete und inspirierte. Kein weichgespülter Auftritt, mit denen viele Künstler und Bands den Wechsel in die beginnenden Achtziger einleiteten. Alleine „Hot Summer Nites“ und die Rock-Hymne „Rock n`Roll Gypsy“ sind den Kauf dieses Albums wert – aus stilistischer und musikalischer Sicht. Danach sinkt das Niveau, auch Helen Schneider scheint auf Sparflamme zu singen („I´m Losin´), wohl der Tiefpunkt des Albums. In „Angry Times“ rockt sie, was das Zeug hält, das macht trotz des zweidimensionalen, dynamisch beengten Klangs richtig Spaß. Es folgt ein kurzes Wechselspiel zwischen klang- und belanglosen Stücken, in denen die Schneider immerhin mehr Stimmgewalt zeigt. Die Soundqualität steigt nun spürbar, Bässe reichen tiefer und sind konturiert, hohe Frequenzen samtig und entspannt. Konträr dagegen die Inhalte: „It Doesn´t Matter“ – Schmalz in allzu typischer 80er Manier.

Dann aber, endlich: „Dream A Little Dream Of Me“; Schneider singt, interpretiert wie ausgewechselt; schmachtet den Titel derart intensiv und glaubwürdig, dass die Monroe vor Neid erblasst wäre. Hier stimmt alles, die an feinste Bar-Musik angelehnte, gering instrumentierte Darbietung voller Swing und Natürlichkeit, wie auch der Klang. Offen, feinzeichnend, da zeigt sich eine außergewöhnlich starke, ja prächtige Stimme.

Absolutes Highlight: Das extrem dynamische „Mack The Knife“, in dem die Schneider auch einige Worte in deutsch zum Besten gibt. Das Stück ist ungeschminkt aufgezeichnet, tönt tendenziell hart, rassig bis bissig – was der Aufnahme entspricht. Die pulsierenden Wechsel, das An- und Abschwellen der Lautstärke packt vom ersten Ton; Gas geben, Bremsen, wieder Gas – das kommt Formel-1-Feeling auf. Die Schneider führt das Stück wie von Ballast befreit, so eindringlich, so intensiv, dass sich der Vergleich zu einer Operndiva aufdrängt. Sie ist zwar Teil der Musik, der Komposition, doch gibt sie den Takt vor. Ein unglaubliches Können, man spürt, dass Helen Schneider Musik „lebt“ und weit über sich hinauswächst; da schlagen die prägenden frühen Jahre der Künstlerin, in denen sie viel Blues sang und klassisch Klavierspiel lernte, durch. (ki)

 


 01.10.2011

Hildegard Knef singt Cole Porter

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats Oktober

Hildegard Knef singt Cole Porter | Warner

Hildegard Knef – da denken wir an Schwarzweiß-Fensehen, Shows mit Peter Frankenfeld und Kuhlenkampf, an Musik vergangener Tage. Doch die Knef passte nie in klare Raster, gewann ihr Publikum mit ihrem eigenen Stil, ihrer Unnahbarkeit und dem Charme einer großen Dame.

Und davon hat die Knef heute, zehn Jahren nach ihrem Tod, nichts eingebüßt. Auf dem endlich als CD erhältlichen Album begeistert jeder einzelne Titel, zeugt von der Einzigartigkeit dieser Künstlerin, die ihr Publikum nicht unbedingt durch grandiosen Gesang, sondern eine perfekte Vorstellung in den Bann zog.

Die Mischung aus melodischem Sprechgesang, den sparsam eingesetzten Instrumenten und gelungen umgesetzten Arrangements hat nichts an Attraktivität verloren – und schon nach wenigen Minuten wird dem geneigten Hörer klar, was Musik unserer Tage meist fehlt: Gefühl. Ich rede nicht von herzerweichend triefenden, gefühlgeschwängerten Balladen, noch weniger von streichzart aufgeweichten Schnulzen, die mit ihrer Einfallslosigkeit Gehirn und Ohren auf „Pause“ zwingen. Hier ist Musik intelligent, gestalterisch, gefühlvoll – ja, aber freigeistig, einfach kostbar.

Die kluge Kombination von Elementen des Jazz, Blues und Swing spiegelt das Zeitgefühl wieder und macht heute vielleicht mehr Laune denn je. In „Endstation“ sieht man die Knef förmlich Lächeln. Im Grunde verbietet es sich, einzelne Titel des Albums besonders hervorzuheben, jeder einzelne Track offenbart seinen ganz eigenen Reiz. Dennoch erwähne ich an dieser Stelle ihre Interpretation des Evergreens „Fever“. Melodielinien mehr getupft, denn geschlossen und Knefs „very german“ English gehen so leicht und unmerklich unter die Haut, dass man den Titel sofort wieder hören möchte. Doch bevor man die Taste am CD-Player drücken kann, siegt die Neugier auf das nächste Stück.

Ein Album voller kleiner Pretiosen, aufnahmetechnisch hervorragend aufgearbeitet, sogar die wenigen Mono-Aufnahmen klingen ausgewogen, wenn auch die Klangfarben sich durch einen Grauschleier mühen. Ein in jeder Hinsicht exzellentes und einzigartiges Album. Zeitlos schön, frisch, mal bedächtig, fast nachdenklich, dann wieder dynamisch pulsierend – besser kann Musik nicht sein. (ki)

 


 27.09.2011

10cc „The Best Of“ | Universal

Eine Empfehlung von Heinz Knopp aus Augsburg für AUDIO PHYSIC-Freunde

Diese CD habe ich per Zufall im Internet entdeckt. Da mich schon immer die bekannten Lieder wie „I´m Not In Love“ oder „Dreadlock Holyday“ begeistert haben und ich sonst wenig Zugang zu dieser Band gefunden habe, dachte ich mir, mit einer Best-Of Scheibe kann man wenig Fehler machen. Die Klangqualität dieser CD begeistert mich. In Verbindung mit einer Röhrenanlage und der AVANTERA bekommt man Klangvariationen zu hören, die nicht alltäglich sind. Je öfter man die Stücke hört, umso mehr Details erschließen sich. Mit dieser CD bekommt man sehr viel Klang und Musik fürs Geld vor allem, wenn man Besitzer von AUDIO PHYSIC Lautsprechern ist.

 


 15.09.2011

Bach Boulez

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats September

Tom Jones | Praise & Blame | Universal

Vor seiner internationalen Karriere tingelte der gebürtige Waliser durch Pubs, wo sein Talent nicht lange unentdeckt blieb. Mit „It´s Not Unusual“ landete er auf dem ersten Platz der englischen Charts. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Jones wechselte in die USA nach Las Vegas. Mehr als einmal katapultierte sich „Tiger“ Tom Jones unter die Top-Ten der US-Charts und internationalen Hitparaden.

Kein Wunder, seine leicht rauchige aber äußerst kräftige Stimme ist unverkennbar und auf der Bühne fühlt er sich heute noch so zuhause wie wenige andere Künstler. Jahrzehnte bezirzte der Frauenschwarm das Publikum, mit „Praise & Blame“ aber dürfte er auch anspruchsvolle Musikfreunde begeistern. Mag es der Reife zuzuschreiben sein oder schlicht Experimentierfreude, auf diesem Album schlägt Tom Jones neue Töne an.

Eine Vielzahl der Songs lehnt sich stark an Gospel und Blues an. Da wirkt nicht die Stimme allein, die fraglos dominant ist, sondern auch das gekonnte Wechselspiel mit Pausen und Betonungen, das geschickte Auf und Ab dynamischer Strukturen. Die Stücke bieten eine Vielzahl akustischer Informationen, obwohl sie wenig instrumentiert sind. Hier ist nichts überladen, hier gehen alle Musiker eine faszinierende Liason ein. Musik wie sie schöner kaum sein kann. Geschmeidig, voller Kraft und Tiefenstärke. Letzteres gilt wörtlich. Die sanft geschlagenen Pauken und Drums spürt man förmlich ein- und ausschwingen. „If I Gave My Soul“ und „Nobodys Fault But Mine“ gehen so schnurstracks unter die Haut, ganz ohne Tiger-Allüren. „What Good Am I?“ pulsiert regelrecht, wächst und breitet sich im Raum aus wie eine Killerwelle, obwohl das von Pauken getragene Stück fast gemächlich daherkommt. In „Don´t Knock“schält sich der alte Tiger wieder aus dem sanften Katzenfell, zeigt Krallen und rockt die Bühne. Jones zeigt einmal mehr, wie vielseitig er ist.

Die Titel wurden in unterschiedlichen Studios eingespielt. Sie schwanken klanglich. Das stört nicht, da „Praise & Blame“ nicht zugunsten der Radiowiedergabe dynamisch zusammengestaucht wurde. Die wenigen Tracks mit eher enger Abbildung und Spannbreite wirken durch ihre Inhalte. Die übrigen Stücke klingen absolut erstklassig, grob- wie feindynamisch und fordern das Auflösungsvermögen einer Kette auf das Äußerste. In der Summe musikalisch und klanglich ein absolutes Highlight und unsere Platte des Monats. Besonders schön: Das Album ist auch auf Vinyl erhältlich! (ki)

 


 12.09.2011

Doris Day | My Heart | Sony

Doris Day | My Heart | Sony

Fast mag man sagen, die Day lebt ewig. Ihre gewinnende Ausstrahlung und ihre sanfte Stimme werden Menschen noch Generationen in Erinnerung bleiben. Meist als Schauspiel-Partnerin an den Seiten von James Garner, Rock Hudson oder James Stewart. Wobei die Künstlerin in Movies des Öfteren ihr Können als Sängerin bewies. Mit „Que sera, sera“ aus „Der Mann, der zuviel wusste“ heimste sie gar einen Oscar für den besten Song ein.

Auf „My Heart“ singt sie ihre Lieblingsstücke aus verschiedenen Zeiten. Dabei ist es weniger eine Zeitreise denn ein Spiegelbild eines Lebens voller Musik. Musik, die eingängig, stets angenehm, doch nicht oberflächlich ist. In „Heaven Tonight“ sieht man förmlich ihr strahlendes Lächeln vor Augen, das Leben liebend. Wenngleich das nicht immer einfach war für die erfolgverwöhnte Künstlerin. 2004 verstarb ihr Sohn Terry, der auch als Produzent arbeitete. Für seine Mutter schrieb er „Happy Endings“, doch bestand Doris Day darauf, dass er selbst das Stück singt. Die gefühlvolle Ballade erhielt spätestens mit dem Tod des Terry Melchers eine andere, tiefer gehende Bedeutung. Bei aller Melancholie in dem Stück, immer erkennt man den leuchtenden Hoffnungsschweif am Horizont. Ein Album, wie Doris Day auf den Leib geschnitten. Glücklich, weltoffen, stets mit einem leichten Zwinkern im Auge. Sicher nicht für jedermann ein Highlight, die Musik mag manchem zu einseitig, zu „amerikanisch“ positiv sein. Fans kommen voll auf ihre Kosten. Und warum soll uns Musik nicht auch einmal eine „Heile Welt“ ins Wohnzimmer zaubern? Der Alltag ist hart genug, und schließlich ist Musik auch dazu da, uns aus dem Alltag zu entführen.

Das Album tut dies mit simplen aber feingliedrigen Arrangements, ohne Bombast. Silbrig flirrende Hochtongespinste gesellen sich zu Days Gesang, unterstreichen ihre Ausstrahlung. Zurückhaltend eingesetzte Streicher runden das organische Klangbild ab. Auch wenn die Tracks etwas künstlich daherkommen und der Tonmeister mit dem Hall etwas zu gutmütig umgegangen ist, ist das Album tonal ausgewogen und voller Klangfarben. Wunderbare Abendmusik – nicht nur, aber ganz besonders über hochwertige Wiedergabeketten. Absolute Highlights: „My Buddy“ und „My One & Only Love“. (ki)

 


 09.09.2011

Nina Hagen | Personal Jesus | Universal (Koch)

Nina Hagen | Personal Jesus | Universal (Koch)

Nina Hagen auf sakralen Pfaden?

Dass man von Nina Hagen nichts Gewöhnliches erwarten soll, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Zu ausgefallen, freakig aber ebenso neugierig und experimentierfreudig ist die Künstlerin.

Ihr Album „Personal Jesus“ macht hierin keine Ausnahme, zeigt aber wahrlich neue Facetten, die man der Hagen so gewiss nicht zugetraut hätte. Viel Stimme, klar, aber diesmal eine knackig, gekonnte Mischung aus Gospel, Blues und Rock. Im Grunde eine brandgefährliche Mischung, die schnell daneben gehen kann. Hier aber stellt man überrascht fest, dass die 13 Tracks schon „um“ sind, solchen Spaß macht die Musik. Kein inhaltlich monumentaler Tiefgang, auch wenn Hagen mit „All You Fascists Bound to Lose“ im Country-Sound einmal mehr klar Stellung bezieht. Viele Stücke „kennt“ man, doch so? „Personal Jesus“ oder „Mean Old World“ um nur zwei mitreißende Beispiele zu nennen. „Nobody's Fault But Mine“ – es mag Zufall sein, dass sich dieses Stück auch auf Tom Jones' Album „Praise & Blame“ befindet. Beide Versionen könnten unterschiedlicher nicht sein, doch sollten sie in keinem Plattenregal fehlen. Manchmal wünscht man ihr mehr Leibesfülle, mehr Stimmvolumen, doch bestünde dann nicht die Gefahr, der Austauschbarkeit? Und das ist Nina Hagen gewiss nicht. Auf „Personal Jesus“ zelebriert die Hagen sich selbst, erfindet sich wieder ein kleines Stück neu. Das ist richtig gut, das ist ein Genuss.

Eine ideale Scheibe, sich einer Künstlerin zu nähern, die man zuvor vielleicht als zu verschroben abgetan hat. Klanglich nicht auf perfektem aber auf hohem Niveau. Hier finden Interpretation, Sound und Freude am Ungewöhnlichen zusammen. Bravo! (ki)

 


 20.08.2011

Bach Boulez

AUDIO PHYSIC Tipp des Monats August

Bach (Partita BWV 828 / French Suite BWV 812) &
Boulez (Notations, Incises) | David Fray | VIRGIN

Die Lust der Langsamkeit

In Zeiten wahrer Reizüberflutung neigen wir dazu auch in Sachen Musik „noch einen draufzusetzen“, – unsere Sinne mit Signalen zu stimulieren, die noch einmal deutlich über der ohnehin schon weit gespannten Bandbreite, dem hohen „Grundrauschen“ unserer Wahrnehmung liegen. Allzu leicht tauschen wir den einen Reiz gegen den nächst größeren aus – und wundern uns, wo die Ruhe in der Welt und in uns geblieben ist.

Hier setzt David Fray einen willkommenen Kontrapunkt. Für weniger geübte Klassik-Freunde oder all jene, die Bach intuitiv mit gewaltigen Orgelwerken verbinden, könnte das eine völlig neue Erfahrung werden. Bachs Partita BWV 828 ist nicht gewaltig monströs, viel mehr ruhig elegant. Und eben so spielt sie Fray.

In den ersten Augenblicken, ja Minuten, mag man eine Unruhe feststellen – nicht in der Musik, nicht im Spiel. Viel mehr in sich selbst, kaum merklich anschwellend zu einer Ungeduld. Die Diskrepanz zwischen benanntem Grundrauschen und der plötzlich einwirkenden Gemächlichkeit, lässt unseren Geist schnell nach „stärkeren“ Reizen suchen. Auf dieser Sinnesreise werden wir uns dessen wie aus dem Nichts bewusst – da hat Frey schon eine Weile gespielt.

Sein Spiel ist dabei alles andere als belanglos, im Gegenteil; es wirkt in sich ruhend und zugleich so leicht, dass uns das Fehlen jeglicher „Effekte“ irritiert. Die Musik schwebt förmlich vorüber, besser, durch uns hindurch, perfekt austariert und formvollendet; in einer organischen Reinheit, der man erst nach und nach wirklich gewahr wird.

Die hohe Qualität der Aufnahme unterstreicht das. Gerade die sanften Anschläge, die fein- und feinstdynamischen Schattierungen, die die Klangfarben-Palette weit auffächern, belegen das hohe Niveau und stellen das Auflösungsvermögen eines HiFi-Systems auf die Probe.

Dass Fray auch die kantigen, harten und rassigen Töne beherrscht, beweist der junge Künstler in den Notations und Incises von Boulez. Sich selbst bleibt er dabei treu, auch hier gelingt es ihm bei allem Tempo feinsten Klangfarbenunterschieden und insbesondere den Pausen, die wie ein Katalysator wirken, ein spürbares Gewicht zu geben.

Zum Einstieg in die klassische Musik eignet sich das Album weniger, man könnte dazu verleitet werden, die Musik als angenehme Hintergrundbeschallung anzusehen, die die Spannweite unseres „Grundrauschens“ verringert. Das wäre doppelt fatal, denn die Virtuosität, die dem Flug eines Schmetterlings gleiche Leichtigkeit in Frays Spiel, und nicht zuletzt seine neue, junge Innenansicht der Werke von Bach und Boulez blieben verborgen. Und ebenso verborgen bliebe uns die Chance auf innere Stille und Neukalibrierung unserer Sinne. Fray gibt mit diesem Album alten Worten neuen Glanz: in der Ruhe liegt die Kraft.    (ki)

 


 30.07.2011

BeeGees | This is where I came in | UNIVERSAL

BeeGees | This is where I came in | UNIVERSAL

Sie haben Musikgeschichte geschrieben und zählen fraglos zu den größten Pop-Gruppen der Welt. Viele ihrer Alben fingen den Spirit der jeweiligen Zeit ein, unvergessen sind Werke wie „Massachusetts“ in den Sechzigern, „You win again“ in den Achtzigern, auch wenn insbesondere in den Neunzigern einige ihrer Alben weniger stark ausfielen. „This is where I came in“ schließt im neuen Millennium an die Großwerke an. Und das nicht nur musikalisch. Klangtechnisch ist dieses Album so exzellent wie nur wenige Aufnahmen des Genres. Gewaltige Dynamiksprünge auf der einen, feinfühliger, ausdrucksstarker Gesang und pfiffige, bisweilen rockige Arrangements auf der anderen Seite machen „This is where I came in“ zu einer Ausnahmeerscheinung in der Pop-Szene unserer Zeit. Für Fans der Truppe Pflicht, aber auch echte HiFi-Freaks kommen hier auf ihre Kosten. Die AVANTERA holen das Trio in Ihr Wohnzimmer, lassen Schlagzeugattacken aus dem Nichts entstehen, so trocken und präzise, dass Sie zusammenzucken – denn die AVANTERA schrecken vor gefühlten Originalpegeln nicht zurück. Gleichzeitig klingen die Stimmen der Gibb-Brüder so geschmeidig, so filigran und in allen drei Dimensionen korrekt, dass Sie vielleicht nie mehr von diesen Ausnahme-Wandlern lassen wollen.

 


 30.06.2011

Dream Theater | Awake | WARNER

Dream Theater | Awake | WARNER

Für Einsteiger und Neugierige in Sachen „Progressive-Rock“ ist das Album „Awake“ von Dream Theater keine leicht zugängliche Kost. Für Kenner der Szene dagegen zählen die New Yorker Musiker längst zum Pflichtprogramm. Monströse Melodielinien, wechseln mit sperrigen Passagen, harten Riffs, knöchern rauen Drums und einem zuweilen sphärischen Gesang. Düster wie ein Abgrund und so faszinierend wie ein Schocker aus der Feder von Stephen King. Wer jedoch glaubt, das Album sei nur für Hardcore-Metal-Fans irrt, viel mehr lädt es ein auf eine Reise durch faszinierende Musikwelten mit perfekten Arrangements. Klanglich absolut erste Sahne und für Lautsprecher ein echter Stresstest.

 


 30.05.2011

Bangles | Best | ZOUNDS

Bangles | Best | ZOUNDS

In den Achtzigern fehlten die Bangles in keiner Chartliste. Anfang 1986 landeten sie mit „Manic Monday“ einen Welthit. Der Titel stammt aus der Feder von Prince. Es folgten noch viele Ohrwürmer in eingängiger Pop-Manier. Blank gewienerte Songs, die trotz aller Leichtigkeit, oder gerade deswegen, Spass machen.

Dass es auch anders geht, beweisen die vier Mädels aus Kalifornien mit der nachdenklich stimmenden Ballade „Following“, die kommerziell, welch Wunder, kein Erfolg wurde. So ernsthaft und erwachsen kennt man das Quartett nicht.

Durch hinzugefügten Hall etwas künstlich, ist die Einspielung klangtechnisch dennoch herausragend – insbesondere auf diesem Sampler aus dem Hause ZOUNDS. Die Saiten der akustischen Gitarre werden nahezu greifbar, ihr Ausschwingen regelrecht körperhaft. Die SITARA 25 vermitteln ein Abbild in allen drei Dimensionen und geben die Vocals glasklar und haarscharf umrissen wieder ohne kühl zu klingen.

 

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